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Panorama Zwei Jahre Haft nach tödlichen Schüssen auf Ehefrau
Nachrichten Panorama Zwei Jahre Haft nach tödlichen Schüssen auf Ehefrau
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15:37 13.11.2009
Der 75-Jährige mit seinem Anwalt im Gerichtssaal. Quelle: lni
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Ein 75-Jähriger ist für den gewaltsamen Tod seiner Frau vom Landgericht Verden zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft wegen Tötung auf Verlangen verurteilt worden. Das Gericht folgte mit dem Urteil am Freitag der Auffassung der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft wegen Mordes gefordert. Der Vorsitzende Richter betonte, es lasse sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass er seine Frau ermordet habe. Alle anderen Motive seien spekulativ. Eine verminderte Schuldfähigkeit stellte das Gericht nicht fest.

Der Mann aus Oyten erschoss Anfang Juni die 53-Jährige, mit der er kurz vor der Silberhochzeit stand. Ein anschließender Selbstmordversuch misslang. Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht gestanden, gab aber an, auf den ausdrücklichen Wunsch seiner Frau gehandelt zu haben. Diese habe wegen eines Geschwürs im Unterleib an starken Schmerzen gelitten. Er hatte sie morgens mit aufgesetztem Revolver auf dem Sofa liegend erschossen. Dass sie schlief und somit arg- und wehrlos war, stellte das Gericht nicht fest.

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Die Staatsanwaltschaft hatte als ein Motiv Verzweiflung über die persönliche finanzielle und unternehmerische Situation des Angeklagten angeführt. Die sah das Gericht nicht. Eine Insolvenz lag länger zurück, das Haus des Ehepaares war auf den Bruder der Frau übertragen worden und am Tattag habe nur ein Gesprächstermin bei der Bank wegen Rückzahlung von 15 000 Euro stattfinden sollen. Das Gericht ließ aber auch keine verminderte Schuldfähigkeit wegen einer hirnorganischen Persönlichkeitsstörung gelten. Bei der Strafzumessung berücksichtigte die Kammer unter anderem die altersbedingte Haftempfindlichkeit des Mannes und, dass er seiner Frau weitere Leiden ersparen wollte.

Auf Antrag des Verteidigers wurde der Haftbefehl gegen den 75-Jährigen nach dem Urteil aufgehoben. Er kam noch am Freitag auf freien Fuß. Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision an.

lni