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Panorama Zwei Jugendliche in aller Öffentlichkeit erstochen
Nachrichten Panorama Zwei Jugendliche in aller Öffentlichkeit erstochen
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13:30 10.01.2010
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Mit einem Schweigemarsch erinnerten am Sonnabend hunderte Menschen an einen 16-Jährigen, der am Mittwoch in Cergy bei Paris erstochen wurde. Am Freitag tötete ein Gymnasiast in einem Pariser Vorort einen 18-jährigen Mitschüler mit dem Messer.

Rund 600 Menschen gingen am Sonnabend im Gedenken an den 16-jährigen Rachid schweigend von Pontoise nach Cergy im Departement Val-d’Oise. Der Jugendliche war drei Tage zuvor durch Messerstiche eines Gleichaltrigen in einem Einkaufszentrum in Cergy gestorben. Der mutmaßliche Täter stellte sich später der Polizei und war am Sonnabend weiter in Gewahrsam.

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Die Teilnehmer des Marsches, der vom Wohnviertel des Opfers in Pontoise nach Cergy führte, bekundeten ihrer Trauer auf Schildern und Transparenten: „Rachid (1993-2010), ruhe in Frieden“ oder „Rachid, wir lieben dich, du wirst uns fehlen“, stand darauf. Angehörige, Freunde und Kommunalpolitiker schlossen sich dem von Jugendlichen organisierten Schweigemarsch an.

Auch der zweiten Messerattacke, die sich in einem Gymnasium im Pariser Vorort Kremlin-Bicêtre zutrug, ging nach Angaben der Ermittler ein Streit voraus. Eine Nichtigkeit habe den tödlichen Gewaltausbruch provoziert, sagte Staatsanwalt Jean-Jacques Bosc, eine „tragische und zugleich einfache“ Angelegenheit. Das 18-jährige Opfer habe einen gleichaltrigen Klassenkameraden seiner Schwester zur Rede gestellt, weil diese sich von ihm belästigt gefühlt habe. Auch eine Notoperation konnte den an Leber und Schlagader verletzten Hakim nicht retten.

Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach dem Tod seines Opfers festgenommen, als er laut Anwohnern „verwirrt“ und in Selbstgesprächen über seine Tat durch die Straßen geirrt sei, sagte der Staatsanwalt. Am Montag solle gegen ihn ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet werden. Der junge Mann sei bisher weder polizeilich noch an der Schule auffällig geworden. Die Schule der beiden kündigte für Montagnachmittag einen Schweigemarsch zum Haus des Opfers an.

Die Brutalität der Taten und der Umstand, dass sie in aller Öffentlichkeit verübt wurden, sorgte am Wochenende in Frankreich für Diskussionen. Bildungsminister Luc Chatel sagte, es handele sich nicht um Gewalt unter Jugendbanden, sondern um einen „absolut schrecklichen Vorgang der Banalisierung alltäglicher Gewalt“. Der Minister kündigte im TV-Sender iTélè an, er werde in den kommenden Tagen über die bislang getroffenen Sicherheitsmaßnahmen an Schulen informieren.

Die gegen Menschen gerichtete Gewalt männlicher Jugendlicher hat in Frankreich zwischen 2003 und 2008 um fast 65 Prozent zugenommen. Das geht aus einer im vergangenen Jahr veröffentlichten offiziellen Statistik hervor.

afp