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Panorama Zwei junge Deutsche nach Alkohol-Exzess in Antalya in Lebensgefahr
Nachrichten Panorama Zwei junge Deutsche nach Alkohol-Exzess in Antalya in Lebensgefahr
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15:37 30.03.2009
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„Wir könnten sie jeden Moment verlieren“, sagte Krankenhausdirektor Irfan Erdogan am Montag. Anders als Erdogan ging die Lübecker Schulleitung von einer Methylalkohol-Vergiftung der insgesamt sieben betroffenen Schüler durch gepanschte Getränke aus.

Nach Angaben von Eltern hätten türkische Ärzte eine Methylalkohol-Vergiftung bestätigt, sagte der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums Mortzfeld, Rüdiger Knoll. Darauf deuteten auch die bei den Betroffenen aufgetretenen Sehstörungen hin. Zwei der sechs noch im Krankenhaus befindlichen Schüler seien am Sonntagabend von der Intensiv- auf eine reguläre Station verlegt worden. Zwei weiteren Schülern gehe es offenbar ebenfalls schon besser, während die beiden anderen weiter in „sehr, sehr ernstem“ Zustand im künstlichen Koma lägen, sagte Knoll. Die übrigen vier Schüler der Klasse sowie ihr Lehrer waren am Samstag von der Klassenfahrt heimgekehrt.

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An der Berufsbildenden Schule herrsch Bestürzung über den Tod des 21-jährigen Mitschülers. Die Klasse, die seit vergangenem August auf den Realschulabschluss hinarbeite, sei bislang als „leistungsstarke, positive Gruppe“ mit „vorbildlicher Einstellung und Disziplin“ aufgefallen, ihr sehr erfahrener Klassenlehrer als „strikt“ bekannt. „Wir kriegen das nicht zusammen - diese Klasse, dieser Kollege und dieses Ereignis“, sagte Knoll.

Krankenhauschef Erdogan sagte in Antalya, der am Freitag gestorbene 21-jährige Schüler habe etwa sieben Promille Alkohol im Blut gehabt. Zu Berichten, wonach möglicherweise gepanschter Alkohol im Spiel war, sagte er, ihm lägen derzeit keine Hinweise darauf vor.

Die betroffenen Schüler des Lübecker Bildungszentrums waren am 22. März mit ihrem Lehrer im „Anatolia Beach Hotel“ nahe Antalya angekommen. Nach Berichten von Mitschülern hatten sie seit ihrer Ankunft viel Alkohol getrunken, so dass ihr Lehrer ihnen dies am 25. März verbot. Offenbar besorgten sich die jungen Leute im Alter von 18 bis 21 Jahren aber Alkohol aus einem Laden in Hotelnähe.

Hoteldirektor Osman Kafadar sagte, er glaube nicht, dass die Alkoholvergiftungen etwa mit gepanschtem Schnaps zu tun haben könnten. Er verwies auf Berichte, wonach die Gruppe nicht nur Alkohol getrunken habe, sondern auch Drogen genommen haben könnte. In dem vor drei Jahren eröffneten Hotel habe es bisher keine derartigen Zwischenfälle gegeben, sagte Kafadar.

Die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchungen werden in den kommenden Tagen erwartet. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die Medienberichten zufolge Alkoholflaschen im Zimmer der Deutschen sichergestellt hatte, sind noch nicht abgeschlossen.

Die Lübecker Schule hat sich nach Angaben ihres stellvertretenden Leiters indes einen türkischen Anwalt genommen, um über den Stand der Ermittlungen auf dem Laufenden zu bleiben. Daneben stehe an der Schule jetzt die seelische Aufarbeitung im Mittelpunkt, sagte Knoll. Im Laufe der Woche sei ein ökumenischer Gottesdienst geplant.

afp