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Deutschland / Welt Ärzte sollen 300 Millionen Euro mehr bekommen
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17:06 30.08.2012
Deutschlands Kassenärzte sollen im kommenden Jahr rund 300 Millionen Euro mehr bekommen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Berlin

Deutschlands Ärzte sollen im kommenden Jahr rund 300 Millionen Euro mehr verdienen - trotzdem drohen den Patienten Proteste und Praxisschließungen. Nach knapp fünfstündigen Honorarverhandlungen wurden die Ärztevertreter am Donnerstag in Berlin in einem Schlichtungsgremium überstimmt. Die obersten Vertreter der rund 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten zeigten sich enttäuscht, die Krankenkassen zufrieden. „Uns stehen raue Zeiten bevor“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Ärzteverband Hartmannbund sprach von einem „unannehmbaren Affront“, die Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns von einem untragbaren Beschluss. Die Berechnungsgröße für das Ärztehonorar - der Orientierungswert - soll um 0,9 Prozent auf 3,54 Cent steigen. „Dies entspricht einem Plus in Höhe von rund 270 Millionen beziehungsweise einer durchschnittlichen Honorarerhöhung von 1800 Euro pro niedergelassenem Arzt im Jahr“, so der Spitzenverband der Krankenkassen.

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Hinzu kämen weitere Steigerungen durch die Berücksichtigung der wachsenden Krankheitslast der Bevölkerung sowie Zuschlägen in einzelnen Ländern. Auch über weitere Details muss noch verhandelt werden. Die KBV ging von 300 Millionen mehr durch das Ergebnis aus. In dem Bündnis von einem Dutzend Verbänden von Internisten über Frauen- bis hin zu Kinder- und Augenärzten beriet man das Ergebnis, wie ein Sprecher sagte. Das Bündnis hatte mögliche Proteste angekündigt.

Zufrieden zeigten sich die Mediziner nicht. Sie hatten Praxisschließungen und die Beschränkung auf das Nötige angekündigt, falls sich die Kassenseite durchsetzen würde. KBV-Sprecher Stahl sagte: „Das wird den Zorn nicht besänftigen.“ Die KBV hatte unterm Strich rund 3,5 Milliarden Euro mehr gefordert. Der Kassen-Verband wollte die Honorare um rund 2,2 Milliarden Euro kürzen. Ausschlaggebend war laut KBV nun das Votum des unabhängigen Schlichters - des Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem - im Erweiterten Bewertungsausschuss, dem entscheidenden Gremium.

„Seit 2008 wurden Kostensteigerungen und Inflation nicht berücksichtigt“, sagte KBV-Chef Andreas Köhler der dpa. „Die Stimmung in der Ärzteschaft ist hochexplosiv.“ An diesem Samstag kommen hunderte Ärztevertreter aus ganz Deutschland zu einer Sonderversammlung bei der KBV in Berlin zusammen.

Der Vize-Chef des Kassenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, sprach hingegen von einer vernünftigen Lösung. „Trotz der beeindruckenden Steigerungen der letzten Jahre werden die Honorare der Ärzte weiter steigen, wenn auch nicht in dem Umfang, wie es ihre Verbandsvertreter angestrebt hatten.“ Für die Beitragszahler bleibe ein großer Kostenschub aus. „Die Beitragszahler stellen genug Honorar zur Verfügung und mit dem heutigen Beschluss wird es noch mehr.“

2011 hatten die Ärzte von den Kassen nach Angaben des Kassenverbands 33,3 Milliarden Euro bekommen. Vier Jahre zuvor waren es noch 27,4 Milliarden. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), warf den Krankenkassen eine inakzeptable Rhetorik vor. „Das vergiftet dauerhaft das Klima zwischen Ärzten und Kassen.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

30.08.2012
30.08.2012