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Deutschland / Welt Ärzte und Kassen einigen sich im Honorarstreit
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ärzte und Kassen einigen sich im Honorarstreit
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23:08 09.10.2012
Bis in die späten Abendstunden hinein verhandelten Ärzte und Krankenkassen über einen Kompromiss im Honorarstreit.
Bis in die späten Abendstunden hinein verhandelten Ärzte und Krankenkassen über einen Kompromiss im Honorarstreit. Quelle: dpa
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Berlin

Deutschlands Kassenärzte sollen im kommenden Jahr zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro mehr verdienen. Mit dieser Einigung legten Ärzte und Krankenkassen ihren monatelangen Honorarstreit am Dienstag in achtstündigen Verhandlungen bei. Wie hoch das Plus genau ausfällt, war von weiteren Details abhängig, die in den Regionen verhandelt werden sollen.

Ob die niedergelassenen Ärzte wie geplant an diesem Mittwoch massenweise für mehr Honorar protestieren, war am Abend zunächst unklar. Die Organisatoren der freien Ärzteverbände wollten ihr weiteres Vorgehen zunächst beraten.

Das Honorarplus beläuft sich auf drei bis vier Prozent, wie der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte. Die KBV hatte 3,5 Milliarden Euro mehr verlangt. Die Kassen waren zunächst nur zu einem Plus von 900 Millionen Euro bereit.

Köhler begrüßte, dass die Psychotherapeuten wie von der KBV gefordert künftig aus einem gesonderten Honorartopf bezahlt werden sollen. Kassenverbands-Vize Johann-Magnus von Stackelberg hob hervor, dass es mehr Geld für die Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte geben soll. Der Chef des Entscheidungsgremiums, der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, bezifferte das dafür veranschlagte Honorar auf 250 Millionen Euro.

„Wir haben Eckpunkte beschlossen“, sagte Wasem. Der Honorarstreit sei beendet. Die Details sollen bei einer weiteren Runde am 22. Oktober noch formal beschlossen werden. Stackelberg sagte, es sei ein langer Weg gewesen. Wie Köhler zeigte er sich aber zufrieden.

Gemäß der Vereinbarung soll es dabei bleiben, dass die Preise für ärztliche Behandlungen und Diagnosen im Volumen von 270 Millionen Euro steigen sollen. Verhandelt worden war bis zuletzt über die Menge der Leistungen und die besondere Stellung der Psychotherapeuten, die bisher beim Honorar im Vergleich zu anderen Arztgruppen besonders schlecht wegkamen.

Ob viele Patienten an diesem Mittwoch bundesweit vor verschlossenen Arztpraxen stehen, blieb am Abend zunächst offen. Die Allianz der Ärzteverbände, die die Proteste organisiert, war am Verhandlungstisch nicht vertreten. Ihre Spitzen wollten über das Ergebnis beraten, sagte Sprecher Sean Monks der Deutschen Presse-Agentur. Die Ärzte richten ihre Proteste auch gegen ein Übermaß an bürokratischen Pflichten durch die Krankenkassen.

Insgesamt wollten 25 000 bis 30 000 Ärzte und Angestellte am Vormittag und Mittag bei den Kundgebungen vor 35 Krankenkassen-Filialen ihrem Ärger Luft machen. Die Patienten sollten vorher bei ihrer Praxis nachfragen, ob sie geöffnet habe oder mit reduziertem Personal arbeite. Vor allem viele Orthopäden, Magen-Darm- und Herz-Spezialisten, Hals-Nasen-Ohren- und Lungenärzte wollten ihre Praxen ganz geschlossen halten.

Pro Monat verdienen Kassenärzte im Schnitt 5442 Euro netto - bei großen Unterschieden. Für Ärzte-Honorare stiegen die Kassenausgaben 2011 um gut zehn Prozent auf 33,7 Milliarden Euro.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.