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Deutschland / Welt Ärztepräsident Hoppe erwartet Ja zur PID
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ärztepräsident Hoppe erwartet Ja zur PID
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14:09 27.12.2010
Quelle: dpa (Archiv)
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Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hält ein Verbot der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) für schwer begründbar. Solange die längst üblichen Tests an Embryonen im Mutterleib zulässig seien, müsse dies auch vor der Einpflanzung in den Mutterleib gelten, sagte Hoppe der „Frankfurter Rundschau“ vom Montag. „Würde man die PID verbieten, gäbe es eine unlogische Diskrepanz.“

Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass Paare immer später Kinder bekämen und damit das Risiko von Krankheit oder Behinderung beim Kind steige. „Die Pränataldiagnostik kommt daher immer häufiger zum Einsatz“, sagte der Präsident von Bundesärztekammer und Deutschem Ärztetag. „Weil das so ist, ist ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik immer schwerer begründbar.“

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Bei der Pränataldiagnostik wird bei Embryonen im Mutterleib nach möglichen Erbschäden oder Krankheiten gesucht. Dazu zählen zum Beispiel Ultraschall oder Fruchtwasseruntersuchungen. Schlimmstenfalls wird die Schwangerschaft abgebrochen. Dagegen wird bei der Präimplantationsdiagnostik, die nur bei künstlicher Befruchtung möglich ist, der Embryo bereits vor der Einpflanzung in die Gebärmutter getestet. Kranke Embryos werden gar nicht erst eingesetzt. Im Frühjahr wird der Bundestag über ein PID-Verbot entscheiden.

„Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der Bundestag für die Zulassung der PID in engen Grenzen für Paare mit schwerer genetischer Vorbelastung ausspricht“, sagte Hoppe. In dem Fall sollte die PID auf wenige spezialisierte Zentren konzentriert und in jedem Fall eine Ethikkommission eingeschaltet werden.

Hoppe rechnet darüber hinaus damit, dass auch der nächste Bundesärztetag im Frühjahr sich für eine Zulassung der PID in engen Grenzen ausspricht. 2002 hatte das Parlament der Mediziner noch für ein PID-Verbot plädiert. Doch meinte Hoppe: „Viele Kollegen dürften sich ähnliche Gedanken gemacht haben wie ich.“

dpa/dapd

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