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Deutschland / Welt Ärztepräsident fordert 
„dringliche Überweisung“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ärztepräsident fordert 
„dringliche Überweisung“
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20:06 27.12.2013
Hausärzte sollen ihre kranken Kassenpatienten durch die Einführung einer "dringlichen Überweisung" schneller als bisher zum Facharzt vermitteln können. Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Die Bundesärztekammer fordert die Einführung einer „dringlichen Überweisung“. Damit könnten Hausärzte kranke Kassenpatienten schneller als bisher zu einem Facharzt vermitteln, sagte Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery der „Rheinischen Post“. Wer ohne Überweisung seines Hausarztes einen Facharzttermin wünscht, müsse unter Umständen etwas länger warten. Union und SPD haben im neuen Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass künftig eine zentrale Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung gesetzlich Versicherten bei der Vereinbarung eines Facharzttermins helfen soll.

Die Zentralstelle soll dem Patienten innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin beim Spezialisten nennen. „Für den Termin soll im Regelfall eine Wartezeit von vier Wochen nicht überschritten werden“, heißt es im Koalitionsvertrag. Gelinge dies nicht, werde ein Termin zur ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus angeboten. Nimmt der Patient dieses Angebot an, werden die Kosten dafür allerdings nicht aus dem Krankenkassenbudget für die Kliniken, sondern aus jenem für die niedergelassenen Ärzte bezahlt. Hintergrund für die Neuregelung sind anhaltende Klagen darüber, dass Kassenpatienten oft viel länger als Privatpatienten auf einen Termin beim Facharzt warten müssten.

Deutschlands oberster Ärztefunktionär kritisiert das Vorhaben der schwarz-roten Gesundheitspolitik. Es sei „unsinnig“, dass Patienten, die binnen vier Wochen keinen Facharzttermin bekämen, zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gehen könnten. „Wichtig ist, dass Termine beim Facharzt weiterhin aus medizinischen Gründen vergeben werden“, betonte Montgomery. Auch die Medizinische Hochschule in Hannover (MHH) lehnt die Pläne der Bundesregierung ab. Zwar begrüße die Hochschule „alles, was dazu führt, die Wartezeiten von Patienten zu verkürzen“, erklärte Sprecher Stefan Zorn. „Die Lösung muss aber bei den niedergelassenen Ärzten gefunden werden. Die Krankenhäuser haben überhaupt nicht die Kapazitäten, um das aufzufangen.”

Das Ministerium des neuen Gesundheitsministers Hermann Gröhe (CDU) reagierte gestern zurückhaltend auf den Vorschlag Montgomerys. Das Bundesgesundheitsministerium plane eine Reihe von Maßnahmen zur besseren allgemein- und fachärztlichen Versorgung in unterversorgten Gebieten, hieß es dort. Ärzteverbandspräsident Montgomery sorgt sich indes auch in anderem Zusammenhang um das Ansehen seines Berufsstandes. Die Absicht der Bundesregierung, „einen neuen Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen“ ins Strafgesetzbuch aufzunehmen, wie es im Regierungsprogramm heißt, unterstützt Montgomery ausdrücklich. „Dann wird endlich das Ärzte-Bashing aufhören, alle Mediziner seien bestechlich“, meint er.

Von Reinhard Zweigler 
und Nicola Zellmer