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Deutschland / Welt Afghanistan-Truppe erhält erste Panzerhaubitze
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14:03 28.05.2010
Die erste von drei Panzerhaubitzen der Bundeswehr, die wie auf diesem Bild auch die niederländische Armee nutzt, ist nach Kundus verlegt worden. Quelle: dpa

Es ist das schwerste Geschütz, dass die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen. Seit Mitte der Woche steht ein Exemplar des modernsten Rohrartilleriesystems der Welt im deutschen Feldlager Kundus in Nordafghanistan. Zwei weitere sollen in den nächsten Tagen folgen.

Der Transport ist ein logistischer Kraftakt. Etwa eine Woche dauert die Reise mit Bahn, Flugzeug und Tieflader vom pfälzischen Kusel ins afghanische Kundus. Alleine der Lufttransport mit einer der größten Maschinen der Welt, einer Antonow An-124, dauert mit drei Zwischenlandungen zwei Tage.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die Verlegung der schweren Geschütze Mitte April angeordnet. Zwei Wochen vorher war am Karfreitag eine Patrouille der Bundeswehr in Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Drei deutsche Soldaten wurden getötet, fünf verletzt.

Als Antwort darauf wollte der CSU-Politiker seine Entscheidung zur Aufrüstung trotzdem nicht verstanden wissen. „Das sind Grundvoraussetzungen, die geschaffen werden, um dem Auftrag dort auch gerecht zu werden“, sagte er. Die Ausrüstung werde laufend der Lage vor Ort angepasst.

Ohne die Eskalation der Gewalt wäre die Entscheidung zur Aufrüstung in Afghanistan wahrscheinlich aber nicht so schnell gefallen. Die Panzerhaubitze soll den Soldaten in den immer häufigeren Gefechten mit den radikalislamischen Taliban Rückendeckung geben - psychologische und vielleicht auch schlagkräftige.

Im Süden Afghanistans wird die Haubitze seit 2006 von den Niederländern genutzt, die sie bereits in offensiven Operationen außerhalb der Lager erprobten. Die Bundeswehr-Haubitzen sollen dagegen fest im Camp Kundus stationiert werden. Mit der Reichweite von 40 Kilometer kann das Geschütz alle „Hotspots“ um das Feldlager erreichen.

Ob sie jemals einen scharfen Schuss abgeben werden, ist jedoch fraglich. Das „Kundus-Syndrom“ macht den Soldaten vor Ort weiterhin zu schaffen. Gemeint sind die Nachwirkungen des wohl schwärzesten Tages in der Geschichte der Bundeswehr, dem 4. September 2009. Bei dem von einem deutschen Oberst befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklaster wurden damals bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt. Wieviele Zivilisten darunter waren, ist bis heute unklar.

Wie beim Einsatz von Kampfflugzeugen oder -hubschraubern sind auch bei der Haubitze zivile Opfer in den meisten Gefechtssituationen nur schwer auszuschließen. Die Taliban greifen meist in oder in der Nähe von Dörfern an, verschanzen sich häufig in Gehöften und missbrauchen die Zivilbevölkerung so als Schutzschilder. Spötter sagen bereits jetzt, die Panzerhaubitze werde in Kundus verstauben oder allenfalls „ein bisschen leuchtschießen“ - neben der scharfen Munition kann die Kanone auch Leucht- und Nebelmunition verschießen.

Die Verfrachtung der Artilleriegeschütze ist Teil einer größeren Aufrüstungsaktion für die Bundeswehr in Afghanistan. Auch TOW- Panzerabwehrraketen sowie zusätzliche Schützenpanzer vom Typ „Marder“ werden derzeit nach Kundus verfrachtet.

Die Debatte um die richtige Ausrüstung wird wahrscheinlich trotzdem weitergehen. Der neue Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat bei seinem Amtsantritt seine Forderung nach dem Kampfpanzer „Leopard 2“ bekräftigt, obwohl er im politischen Berlin dafür schon sehr viel Prügel einstecken musste. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf ihm sogar Inkompetenz vor.

Bei den Soldaten vor Ort ist das Meinungsbildung zum „Leopard 2“ durchaus differenzierter. Auch Verteidigungsminister zu Guttenberg relativierte die Kritik an Königshaus kürzlich. In seinem Ministerium gebe es zu jedem Thema unterschiedliche Auffassungen, sagte er im Bundestag. Königshaus erinnert jedenfalls gerne daran, dass auch der Widerstand gegen den Einsatz der Panzerhaubitze einst groß war so wie jetzt beim „Leopard“.

dpa

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