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Deutschland / Welt Al-Qaida-Terroristen in Braunschweig ausgebildet
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08:19 25.08.2012
An der Online-Islamschule des Predigers Muhamed Ciftci sollen mutmaßliche Terroristen des Al-Qaida-Netzwerks ausgebildet worden sein. Quelle: Thies
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Hannover

„Das belegt, dass die Übergänge zwischen dem politischen und dem zur Gewalt entschlossenen Salafismus fließend sind“, erklärte der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Werner Wargel, am Freitag der HAZ.

Der als Mitglied einer Al-Qaida-Zelle in Düsseldorf angeklagte Amid C. hat 2008 und 2009 zeitweise an Ciftcis Schule studiert. Auch der salafistische Prediger Sami A. aus Bochum, der nach einer Zeugenaussage früher ein Leibwächter von Al-Qaida-Führer Osama bin Laden gewesen sein soll, war in dieser Zeit an der Braunschweiger Schule eingeschrieben. Sami A. wird vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz als gefährlicher Salafist und ideologischer Brandstifter eingestuft. Amid C. wird vorgeworfen, einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben.

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Die Liste der Verbindungen nach Braunschweig wird noch länger. Nach Angaben des Verfassungsschutzes sind unter den Salafisten, die im Mai an gewalttätigen Ausschreitungen in Bonn und Solingen beteiligt waren, fünf Personen mit Bezügen zur Islamschule von Ciftci. Darunter ist beispielsweise Murat K., der in Bonn zwei Polizeibeamte mit Messerstichen schwer verletzt hatte.

Auf diese Informationen ist der Verfassungsschutz beim Abgleich von Daten nach den Zeugenaussagen in Nordrhein-Westfalen gekommen. Nach Auskunft von Wargel ist die Islamschule in Braunschweig „einer von zehn bis 15“ Orten in Deutschland, von denen aus der Salafismus als besonders radikale Form des Islamismus seinen Ausgang nehme. Die Beteuerungen des Predigers Ciftci, er sei gar nicht gewaltbereit und würde sich im Gegenteil um junge Menschen kümmern, seien nicht glaubwürdig: „Die Hinweise zeigen, wie sehr Ciftcis Schule für gewaltbereite Salafisten attraktiv ist. Er kann nach diesen Erkenntnissen nicht mehr behaupten, mit den gewaltbereiten Islamisten nichts zu tun zu haben.“ Der Verfassungsschutz fühle sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass Islamschulen wie die von Ciftci ein Nährboden für den Terrorismus sein könnten. Die Grenzen zur Gewaltbereitschaft seien nicht klar gezogen.

Der Verfassungsschutz sieht den Salafismus in Niedersachsen – wie auch bundesweit – auf dem Vormarsch. Landesweit schätzt die Behörde etwa 300 Anhänger dieser Denkrichtung, im Jahr 2010 waren es noch 200. Zunehmend entdeckten die Salafisten auch das Internet als Ort zur Verbreitung ihrer Ideologie. Junge Muslime verherrlichen dort den „Heiligen Krieg“ und gehen auf Distanz zur freiheitlichen Gesellschaftsordnung des Westens.

So treten manche dafür ein, dass Frauen außerhalb ihres Hauses nur vollständig verhüllt erscheinen sollen. Die „Vermännlichung der Frau“ solle vermieden werden. Der Verfassungsschutz wirft dem Prediger Ciftci vor, international gut vernetzt zu sein und seine Theorien auch im Ausland zu verbreiten.

Christina Sticht und Klaus Wallbaum