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Deutschland / Welt Die Angst vor dem Al-Qaida-Staat
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00:15 08.01.2014
Von Klaus von der Brelie
Al-Qaida-Anhänger hinterlassen eine Spur der Verwüstung in Damaskus im Jahr 2012. Quelle: dpa
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In westlichen Sicherheitskreisen wächst die Sorge mit Blick auf die ohnehin katastrophale Lage in Syrien und im Irak. Auf dem Territorium beider Länder arbeitet die radikalislamische Terrorgruppe Al Qaida inzwischen offen auf die Gründung eines eigenen Staats hin –  ohne Rücksicht auf die Regierungen in Damaskus und Bagdad und quer über die Grenzen hinweg. Immer mehr Kämpfer sammeln sich unter den schwarzen Flaggen der Organisation „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS). Offenbar will ISIS auch Teile des Libanons und Jordaniens unterwerfen.

Im Irak ist es den ISIS-Kriegern in den Tagen seit Jahresbeginn gelungen, die Städte Falludscha und Ramadi einzunehmen. In Syrien, wo Al Qaida vor allem im dünn besiedelten Osten und Norden aktiv ist, beherrscht sie mehrere Viertel der Großstadt Aleppo. An der Grenze zur Türkei haben die Milizen strategisch wichtige Orte besetzt. Angeblich hat die ISIS-Führung auch die jüngsten Autobombenattentate in der libanesischen Hauptstadt Beirut veranlasst. Am Wochenende versuchte die irakische Armee des von den USA unterstützten Ministerpräsidenten Maliki, die sunnitischen Hochburgen Falludscha und Ramadi zurückzuerobern. Anscheinend vergeblich. Auch die irakische Luftwaffe kam zum Einsatz. Zuvor hatten ISIS-Aktivisten dort Regierungsgebäude und Polizeistationen besetzt.

In Washington kritisierten Politiker der oppositionellen Republikaner die Politik von Präsident Barack Obama im Irak: Der Abzug der US-Truppen, warnten sie, dürfe nicht darauf hinauslaufen, das Land Al Qaida auszuhändigen.
In Syrien hat sich Al Qaida mittlerweile zur dominierenden Fraktion im Lager der Regierungsgegner hochgekämpft – weniger auf dem Schlachtfeld als im Hinterland. Sie beherrscht Nachschublinien und hat sich in den von Rebellen gehaltenen Regionen fest etabliert, während andere Gruppen an der Front aktiv sind. Al Qaida hat dem Rebellendachverband FSA, den sie als US-Spionage-Werkzeug betrachtet, offen den Krieg erklärt. Und sie macht gezielt Jagd auf westliche Ausländer.

Seit dem Machtgewinn von Al Qaida im Norden Syriens ist es für ausländische Journalisten unmöglich geworden, von dort zu berichten. Unter der syrischen Bevölkerung verbreiten die ISIS-Kämpfer mit öffentlichen Hinrichtungen und Gräueltaten Angst und Schrecken. Die Al-Qaida-Kämpfer haben Aktivisten aus Tschetschenien an ihrer Seite, aber auch gewaltbereite Islamisten aus Europa. Russland und die USA verfolgen die Al-Qaida-Aktivitäten mit großem Ernst. In europäischen Sicherheitskreisen heißt es, beide Mächte hätten die heimliche Präsenz von Spionen und Spezialkräften in der Region  „enorm hochgefahren“.

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