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Deutschland / Welt Althaus spricht bei Rückkehr von Schuld und Last
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Althaus spricht bei Rückkehr von Schuld und Last
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22:46 20.04.2009
Von Klaus Wallbaum
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus.
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Quelle: Jens-Ulrich Koch/ddp
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Am ersten Tag nach seiner langen Abwesenheit wirkt Dieter Althaus rastlos und ein wenig hektisch. Punkt 10 Uhr tritt er vor die versammelte Presse, dann folgt 25 Minuten lang ein Ritt durch alle Politikbereiche – von der Wirtschaftskrise über die Lage der Ernährungswirtschaft und die Perspektiven der Solarindustrie bis zur Rettung für das Opel-Werk Eisenach. Das wichtigste und heikelste Thema streift er gleich am Anfang, offenbar, um es dann rasch abhaken zu können: die Folgen seines schweren Skiunfalls, bei dem am Neujahrstag die 41-jährige Beata Christandl nach einem Zusammenprall mit ihm ums Leben gekommen war.

Nach dem Gutachten der Anklagebehörde waren es Althaus’ Fehler, die zum Unfall und damit zum Tod der Frau führten. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Ministerpräsident deshalb verurteilt. Er selbst gibt an, an die Vorkommnisse am Neujahrstag keine Erinnerung zu haben. Als der CDU-Politiker in der „Bild“-Zeitung Anfang März in einem mehrteiligen Interview seine bevorstehende Rückkehr ankündigte, rümpften politische Mitbewerber die Nase: Offenbar wolle Althaus seinen Unfall vor den bevorstehenden Wahlen (Kommunalwahl Anfang Juni, Landtagswahl Ende August) vermarkten. Dass er im Zusammenhang mit dem Unfall in der „Bild“ von „Verantwortung“ sprach und die Frage nach Schuld zurückwies, wurde ihm als Akt der Verdrängung vorgehalten. Am Montag dauerte es fünf Minuten, bis Althaus von sich aus die Schuld anerkannte: „Die Schuld trage ich, das belastet mich, ich trage schwer daran.“ Man sei „auf Vergebung angewiesen“, fügt der 50-Jährige hinzu.

Das klingt nach Einsicht. Doch Althaus, der nur zu Beginn der Pressekonferenz gelächelt hat, hält sich beim Thema nicht auf. Es dauert Sekunden, da hat er seine Lebenskrise verlassen und ist bei der globalen Wirtschaftskrise angelangt. Immer wieder schaut er auf ein Blatt Papier, liest ab, blickt hoch, aber bleibt die ganze Zeit sehr ernst. Sein Regierungssprecher neben ihm wirkt so angespannt, als ob der Ministerpräsident seinen Rücktritt verkünden würde.

Althaus zählt auf: Die vielen Dinge, die seine Regierung getan habe, um den Unternehmen zu helfen – und die vielen Termine, die er, nun genesen, in den kommenden zwei Wochen absolvieren werde. Gleich zweimal erwähnt er das neue Turbolader-Werk, das morgen eröffnet werden soll. Der Auftritt soll beweisen, dass er die Belastungen des Amtes aushält. „100 Prozent“ wolle er in Zukunft geben. Das werde erwartet.

Aber Althaus erscheint bei dieser Vorstellung kühl, fast gehetzt. Wie ein Sportler, der seine Konstitution zeigt – und sich selbst Mut zuspricht. Ärztliche Betreuung? „Die gibt es nicht mehr, die ist abgeschlossen“, wendet der Politiker kurz, aber sehr nachdrücklich auf diese Frage ein. Die vergangenen Wochen habe er genutzt, um sich fit zu machen. Es sei ein „Kampf“ gewesen, „wieder in den alten Stand“ zu kommen. Dann folgt eine merkwürdige Formulierung: „Dies war das Bemühen von mir und meinem Körper.“ Der Dank an seine Vertreterin, Finanzministerin Birgit Diezel, fällt nur knapp aus und klingt ein wenig rätselhaft. Das „Zeitfenster“, das seine Aus-zeit Diezel und dem Kabinett geöffnet habe, sei von diesen „als Gestaltungsfenster genutzt worden“, sagt Althaus. Was immer das heißen soll.