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Deutschland / Welt Die Angst vor einem viertem Gaza-Krieg wächst
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20:11 13.11.2018
Militante Palästinenser im Gazastreifen haben am Dienstag ihre heftigen Raketenangriffe auf Israel fortgesetzt, wie hier auf Aschkelon. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
Gaza/Tel Aviv

Immer wieder heulen am Dienstag im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen die Alarmsirenen. Ein wahrer Raketenhagel geht auf Wohngebiete im ganzen Umkreis nieder: Eine Rekordzahl von 460 Geschossen hätten militante Palästinenser seit Montag abgefeuert, sagt ein israelischer Armeesprecher. „Dies sind die intensivsten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014.“ In der Küstenstadt Aschkelon wird ein Haus direkt getroffen, ein Mann stirbt. Israels Luftwaffe bombardiert im Gegenzug Ziele der im Gazastreifen herrschenden Hamas, mindestens sieben militante Palästinenser werden getötet.

Palästinenser verkünden Waffenruhe

Am Dienstagabend verkünden die Terrororganisation dann einseitig eine Waffenruhe. Doch kann diese die nächsten Tage überdauern? Von israelischer Seite gibt es zunächst keine Reaktion. Sechs Stunden lang hat das Sicherheitskabinett um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über das weitere Vorgehen debattiert. Vor der jüngsten Eskalation hatte es - dank intensiver Vermittlungsbemühungen Ägyptens und des UN-Gesandten Nikolay Mladenov - noch nach einer möglichen längerfristigen Beruhigung ausgesehen.

Doch dann ließ ein am Sonntag fehlgeschlagener Geheimeinsatz der israelischen Armee im Gazastreifen den Funken wieder überspringen. Die verdeckte Einheit wurde von militanten Hamas-Kämpfern enttarnt, es kam zu einem heftigen Feuergefecht. Sieben militante Palästinenser, darunter ein 37-jähriger Hamas-Kommandeur, und ein israelischer Offizier starben.

Gefährlichste Zuspitzung der Lage seit vier Jahren

Was folgte, war die gefährlichste Zuspitzung der Lage seit vier Jahren. Israelische und palästinensische Experten sind sich allerdings einig, dass beide Seiten im Grunde gar kein Interesse an einem umfassenden Krieg haben. „Ägypten und die internationale Gemeinschaft üben Druck auf die Hamas und Israel aus, um einen vollen Krieg zu verhindern“, sagt Amos Harel, Militärexperte der Zeitung „Haaretz“.

Die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestufte Hamas hatte 2007 mit Gewalt die Herrschaft im Gazastreifen an sich gerissen. Israel hatte danach eine Blockade des Küstenstreifens verschärft, Ägypten trägt die Maßnahme inzwischen mit. Die Lage von rund zwei Millionen Einwohnern im Gazastreifen ist prekär, es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

Seit Beginn blutiger Proteste gegen die Blockade an der Gaza-Grenze im März hatte es immer wieder brenzlige Situationen gegeben. Die jüngste Runde der Gewalt sei aber die schwerwiegendste, meint Harel. Netanjahu und seine rechts-religiöse Regierung stehen unter starkem Druck der Öffentlichkeit, die immer wiederkehrenden Raketenangriffe aus Gaza auf israelische Grenzorte dauerhaft zu unterbinden.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, sie wollten die „Spielregeln“ in dem schwelenden Konflikt mit Gewalt zu ihren Gunsten verändern. Die Hamas sehe Israels verdeckten Einsatz auf dem von ihr kontrollierten Gebiet als einen solchen Versuch, sagt Naschat Aktasch, Politikprofessor an der Birzeit-Universität bei Ramallah. „Die Hamas hat gezeigt, dass dies nicht ungestraft bleiben kann.“

Experte: Richtiger Zeitpunkt für Waffenruhe

Der israelische Sicherheitsexperte Jossi Kuperwasser sagte, Israel wolle der Hamas seinerseits die Botschaft übermitteln, dass wahllose Angriffe auf Zivilisten absolut inakzeptabel seien. Nach Schätzungen der Armee verfügt die Hamas über 20 000 Raketen und Mörsergranaten. Ein Teil der Raketen komme aus dem Iran, andere würden im Gazastreifen selbst produziert, sagt Kuperwasser. Zu den durch Tunnel aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelten Waffen gehörten auch Panzerabwehrraketen des Typs Kornet. Eine solche Rakete traf am Montag einen israelischen Bus nahe der Gaza-Grenze, der dabei völlig ausbrannte. Bei dem Vorfall, für Israel eine unerträgliche Provokation, erlitt ein Soldat lebensgefährliche Verletzungen.

Der palästinensische Politikexperte Saleh Naami in Gaza sieht die Hamas nach den massiven Raketenangriffen auf Israel in einer „Position der Stärke“. Nun sei der richtige Zeitpunkt für eine Waffenruhe, meint er.

Von RND/dpa

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