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Deutschland / Welt Anis Amri plante Sprengstoffanschlag in Deutschland
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19:38 13.12.2018
Deutsche Polizisten kontrollierten am Mittwoch an der deutsch-französischen Grenze den Verkehr. Sie suchten Chérif Chekatt. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Nach dem Anschlag des französischen Islamisten Chérif Chekatt auf einen Weihnachtsmarkt in Straßburg und neuen Erkenntnissen im Fall des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verdichten sich die Hinweise auf terroristische Verbindungen zwischen Deutschland und Frankreich – und das in mehrfacher Hinsicht.

Zunächst hat sich die Bundesanwaltschaft in die Ermittlungen gegen Chekatt eingeschaltet, der am Dienstag drei Menschen tötete und mehrere schwer verletzte. Es sei ein Verfahren gegen ihn wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden, teilte eine Sprecherin dem Tagesspiegel mit. Der Fall sei von besonderer Bedeutung. Ein weiterer Grund sei, dass von dem Anschlag sechs Personen aus Deutschland traumatisiert seien.

Zuvor war bekannt geworden, dass Chekatt unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen wurde, aber nicht ans Telefon ging. Er hatte bis 2017 wegen zweier Einbrüche in Deutschland hier in Haft gesessen und war anschließend abgeschoben worden.

Anis Amri hatte Kontakte zu französischen Islamisten

Zugleich existieren neue Hinweise auf eine Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich im Fall Amri. Aus einem auf den 10. Dezember 2018 datierten Schreiben der Bundesanwaltschaft an das Bundesjustizministerium, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, ergibt sich, dass der Tunesier gemeinsam mit einem Islamisten namens Clément Baur, der in Frankreich in Haft sitzt und gegen den die Bundesanwaltschaft ermittelt, ein Sprengstoffattentat in Deutschland plante.

Wörtlich heißt es in dem Brief: „Nach den derzeitigen Ermittlungen gab es im Spätsommer 2016 Pläne von Baur und Amri zur Durchführung eines Sprengstoffanschlags in Deutschland unter Verwendung von TATP, ohne dass das Anschlagsvorhaben bisher nach Tatort und Tatzeit konkretisiert werden konnte.“ Erkenntnisse über eine Verwicklung von Baur in das Attentat auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hätten sich hingegen bislang nicht ergeben, heißt es weiter.

Amri war wahrscheinlich kein Einzeltäter

Die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte dem RND: „Die mutmaßlichen Planungen eines Sprengstoffanschlags werfen ein völlig neues Licht auf die mögliche Rolle Amris im Kontext islamistischer Zirkel rund um die Fussilet-Moschee. Die bisherige Erzählung vom Einzeltäter Anis Amri muss höchstwahrscheinlich grundlegend revidiert werden.“

Sie fügte hinzu: „Wir müssen jetzt dringend erfahren, seit wann Sicherheitsbehörden über dieses Wissen verfügen. Es wäre ein Wahnsinn, wenn diese Planungen bereits vor dem Anschlag vom Breitscheidplatz bekannt gewesen wären und nichts unternommen wurde."

Kontakte zwischen deutschen und französischen Islamisten nehmen zu

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hält islamistische Verbindungen zwischen Deutschland und Frankreich für offenkundig. „Die Verbindungen werden stärker“, sagte er dem RND. „Das hat etwas mit dem Flüchtlingszuzug zu tun, durch den mehr Leute aus den Maghreb-Staaten auch nach Deutschland gekommen sind.“ Dies gelte hauptsächlich für Marokkaner und mit Abstrichen für Tunesier. Da viele Menschen mit maghrebinischen Wurzeln in Frankreich lebten und diese traditionell untereinander Kontakt hielten, seien islamistische Verbindungen wahrscheinlich.

Unterdessen fahndet unter anderem die Bundespolizei im deutsch-französischen Grenzgebiet weiter nach dem Attentäter von Straßburg. Insbesondere in der Grenzstadt Kehl, aber auch im Hinterland werde kontrolliert, so eine Sprecherin. Chekatts Flucht hielt bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe an.

Von Markus Decker/RND

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