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Deutschland / Welt Anti-Atom-Demo mit Ministerpräsident in Greifswald
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Anti-Atom-Demo mit Ministerpräsident in Greifswald
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17:21 11.12.2010
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Mehrere Tausend Atomkraftgegner haben am Samstag in Greifswald lautstark gegen den anstehenden Castor-Transport ins Zwischenlager Nord bei Lubmin demonstriert. Sie forderten zugleich einen Verzicht auf die beschlossene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Der Transport mit vier Castoren soll Anfang der Woche im südfranzösischen Cadarache starten.

Die Veranstalter sprachen von 3500 Teilnehmern. Polizei nannte während der Demonstration im Nieselregen die Zahl von 2000. Erwartet worden waren 4000 Demonstranten. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle.

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Auch der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), nahm an dem Protest teil. „Ich möchte, dass der Atommüll woanders hinkommt. Ich sehe die große Gefahr, dass Lubmin immer mehr zur atomaren Müllhalde verkommt“, sagte Sellering der Nachrichtenagentur dpa. Der Bund dürfe sich nicht über langfristige Vereinbarungen hinwegsetzen. Sellering lehnte aber die Forderung der Linkspartei ab, das Land solle sich an der Klage gegen die Laufzeitverlängerung beteiligen. Die SPD/CDU-Koalition sei sich beim Thema Laufzeitenverlängerung nicht einig.

Die CDU kritisierte Sellerings Teilnahme. Es sei ungewöhnlich, dass zwei Mitglieder der Landesregierung auf unterschiedlicher Seite an einer Demonstration beteiligt seien, sagte Landesgeneralsekretär Vincent Kokert. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sei ins Lagezentrum geeilt, um für Sicherheit zu sorgen, während Sellering „die Sicherheit nicht unbedingt erhöht“.

Der Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche, Hans-Jürgen Abromeit, sagte in einer Rede auf der Kundgebung, die Atomkraft habe zwar die bessere Klimabilanz als Kohle. „Aber hier tauschen wir nur die Pest gegen Cholera“. Der Bischof kritisierte, dass Atomkraftwerke betrieben würden, obwohl es kein Endlager gebe. „Fakten zu schaffen und die Verantwortung für den strahlenden Müll ungeklärt zu lassen, ist ein Verbrechen an unseren Kindern.“

Die Demonstranten machten auf dem Protestmarsch durch die Innenstadt mit Sprechchören und Trommeln ihrem Unmut über die Atompolitik der Bundesregierung Luft. Auf Transparenten forderte das Anti-Atom-Bündnis Nordost einen sofortigen Atomausstieg und eine Wende in der Energiepolitik. Unterstützt wurden die Atomkraftgegner von Demonstranten aus dem Wendland, Hamburg und Berlin.

Daniel Deadlow vom Anti-Atom-Bündnis forderte Sellering öffentlich auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Das Land solle dem Transport durch Mecklenburg-Vorpommern die Unterstützung verweigern. Das Atomgesetz lasse einen Verzicht auf den Transport zu, wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei. Damit schloss sich das Bündnis Forderungen aus Reihen der Linken und Grünen an.

CDU-Generalsekretär Kokert bezeichnete die Ost-West-Diskussion beim Atommüll als „peinlich“. Der Bund sei vertraglich verpflichtet, die Abfälle aus Frankreich zurückzunehmen, und er verfüge nur über ein einziges Zwischenlager, nämlich das in Lubmin. Der Landtagsbeschluss gegen die Einlagerung von Atommüll aus anderen Bundesländern habe sich ausschließlich gegen Brennelemente aus Kraftwerken gerichtet, betonte Kokert. Jetzt gehe es um Abfälle aus bundeseigenen Forschungsanlagen.

dpa