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Deutschland / Welt Atomkraftgegner stoppen Castor-Transport bei eisiger Kälte
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17:59 16.12.2010
Polizisten tragen einen Atomkraftgegner von der Bahnstrecke durch den Tiefschnee. Quelle: afp
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Der letzte Atommüll-Transport des Jahres ist am Donnerstag ohne größere Zwischenfälle nach Vorpommern gerollt. Der Zug brachte vier Castorbehälter mit rund 2500 Brennstäben aus Forschungseinrichtungen des Bundes zum Zwischenlager Nord bei Lubmin am Greifswalder Bodden. Kurz vor dem Ziel gelang es zwei Aktivisten der Umweltinitiative Robin Wood am frühen Abend, den Zug zu stoppen. Trotz großer Polizeipräsenz konnten sie sich südlich von Greifswald an die Bahngleise ketten.

Die Proteste fielen aber mit insgesamt wenigen hundert Teilnehmern weit verhaltener aus als beim jüngsten Castor-Transport nach Gorleben in Niedersachsen. Anfang November hatten dort mehrere zehntausend Menschen demonstriert, darunter auch führende Bundespolitiker.

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Die Atomkraftgegner hatten am Donnerstag den Zug auf seiner rund 1700 Kilometer langen Reise von Südfrankreich bis zur Ostsee dreimal stoppen können. Ein Großaufgebot der Polizei, dem Vernehmen nach waren bundesweit mehr als 10 000 Beamte im Einsatz, und die widrigen Witterungsverhältnisse bremsten den Protest an der Strecke. Ein Polizeisprecher schätzte die Situation als „friedlich und ruhig“ ein.

Das hochradioaktive Material stammt vom früheren Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom atomgetriebenen Forschungsfrachter „Otto Hahn“. Es lagerte bis zum Rücktransport jahrelang im südfranzösischen Cadarache.

Bei Eiseskälte und Schneetreiben hatten rund 200 Menschen am Nachmittag kurz vor dem Ziel bei Lubmin eine Sitzblockade gebildet, die von der Polizei aufgelöst wurde. Etwa die Hälfte der Teilnehmer sei weggetragen und in geheizten Bussen in Gewahrsam genommen worden.

dpa