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Deutschland / Welt Aufständische stoßen nach Westen vor
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Aufständische stoßen nach Westen vor
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13:57 27.03.2011
Quelle: dpa
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Sie riefen Siegesparolen, hupten in ihren Autos, schossen in die Luft - und zogen weiter. Die Milizionäre der libyschen Regimegegner hielten sich am Samstag nicht lange damit auf, die Wiedereroberung der Küstenstadt Adschdabija auszukosten. In der Nacht zum Sonntag nahmen sie die 80 Kilometer südwestlich gelegene Ölstadt Brega ein. Kurz darauf marschierten sie im Ölhafen Ras Lanuf ein. Kampflos - denn nach den massiven Luftangriffen der westlichen Militärallianz zogen sich die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi weit in Richtung Westen zurück.

Die Aufständischen träumen schon von der Eroberung Sirtes, der Geburtsstadt des verhassten Diktators Gaddafi. Doch bis dort sind es von Brega noch mehr als 300 Kilometer. Wo auch immer die Gaddafi-Truppen sich auf dem langen Weg nach Sirte verschanzen werden, die Rebellen werden erneut die Unterstützung durch Luftangriffe der West-Koalition benötigen. Für eigene Offensiven sind sie zu schlecht ausgerüstetet und militärisch nicht ausreichend organisiert. In Adschdabija hatten sie sich fast eine Woche lang Gefechte mit den Regimetruppen geliefert, ohne diese mit ihren Panzern und Geschützen verdrängen zu können.

Die Wende trat dort in der Nacht zum Samstag ein. Flugzeuge der britisch-amerikanisch-französischen Koalition feuerten Dutzende Raketen auf Gaddafis Panzer und Kanonen ab. Die Soldaten des Diktators konnten dem nicht standhalten. Fernsehberichte der BBC und von Al-Dschasira zeigten ausgebrannte Wracks getroffener Fahrzeuge - aber noch mehr unversehrte Panzer und Geschütze, die Gaddafis Truppen schlicht zurücklassen mussten.

Die Luftoffensive bei Adschdabija war die zweite Operation innerhalb des vom UN-Sicherheitsrat abgesegneten westlichen Militäreinsatzes in Libyen, der eine erkennbare strategische Wirkung zeigte. Am Samstag vor einer Woche, am ersten Tag dieses Einsatzes, verhinderten die Bombardements aus der Luft im letzten Moment, dass die Gaddafi-Truppen die Aufständischen-Hochburg Bengasi eroberten.

Militärisch sind die Karten am Boden äußerst ungleich verteilt. Die Regimegegner können nur leicht bewaffnete Freiwilligen-Verbände aufbieten, in denen Enthusiasmus und Freiheitsliebe die militärische Disziplin ersetzen müssen. „Sie tun ihr Bestes“, meinte die Sprecherin der Gegenregierung in Bengasi, Iman Bughaigi. „Es wird dauern, bis sie zu einer richtigen Armee werden.“ Auch die zu den Regimegegnern übergelaufenen regulären Soldaten ändern vorerst nichts daran.

Die regulären Streitkräfte seien von Gaddafi in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden, sagt man in Bengasi. Nutznießer waren die Eliteeinheiten, die das Regime nun in die Schlacht wirft. Eine von ihnen wird von Gaddafis Sohn Chamies kommandiert. Dessen von libyschen Exil-Medien kolportierter Tod durch ein Attentat zu Beginn der Luftschläge wurde bislang nicht bestätigt.

Das Regime in Tripolis beschwert sich indes über die sich abzeichnende Veränderung des strategischen Gleichgewichts infolge der westlichen Intervention. Die Rebellen nutzen die Deckung der Luftschläge zum Vormarsch, monierte Regierungssprecher Ibrahim Mussa auf einer Pressekonferenz in Tripolis. Dies habe nichts mehr mit dem Mandat der UN-Sicherheitsratsresolution 1973 zu tun, das sich lediglich auf den Schutz der Zivilbevölkerung erstrecke.

Doch der Umschwung bei Adschdabija befreite gerade auch die Zivilisten dieser 140.000-Einwohnerstadt von Leid und Terror. Der Al-Dschasira-Reporter James Bays war noch am Freitag vor Ort. Die Gaddafi-Truppen hatten da noch die Hauptzugänge zur Stadt kontrolliert. Nachts - so berichtete man ihm - fuhren Gaddafi-Milizionäre in Autos ohne Nummernschilder herum, um nach Regimegegnern zu suchen.

Die meisten Bewohner waren in die Wüste geflohen. Der Fernsehbericht zeigte, wie sie in Nomadenzelten auf ein Ende des Schreckens warteten. Dass sie nun wieder nach Hause können, verdanken sie den Kampfflugzeugen der Koalition.

dpa

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