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Deutschland / Welt Regierungssitz ins Zelt verlagert
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Regierungssitz ins Zelt verlagert
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06:41 16.09.2014
Von Dirk Schmaler
„In ständigem Kontakt mit Canberra“: Australiens Regierungschef Abbott. Quelle: LUKAS COCH
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Tony Abbott ist gern draußen. Und er schätzt das einfache Leben. Australiens Regierungschef surft in seiner Freizeit oft am Strand von Sydney, er leistet regelmäßig Freiwilligendienst bei der Feuerwehr und ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Karikaturisten malen ihn deshalb fast immer nur mit einer Badehose bekleidet. Nun allerdings übertrifft der 53-Jährige seine eigene Karikatur: Er hat gestern seinen Regierungssitz für eine Woche in ein Zelt verlegt.

Das Regierungszeltlager im Norden des Landes ist allerdings mehr als die fixe Idee eines Naturburschen. Abbott löst damit ein höchst politisches Versprechen ein, das er bei seiner Vereidigung als Regierungschef vor einem Jahr gegeben hat. Damals versicherte der Konservative, jedes Jahr eine Woche lang unter Eingeborenen zu leben. Er wolle „die Bedürfnisse der Menschen besser kennenlernen, die in diesen Gegenden leben und arbeiten“.

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Seit Montag nun sitzt Abott im Zelt - samt Entourage und Ministern. Er hat sich bereits erste Tänze, eine Viehzucht und den Standort einer geplanten Bauxit-Mine angeschaut. Und er warb dafür, dass die Rechte der Ureinwohner in die Verfassung aufgenommen werden. Die Aborigines werden bis heute benachteiligt. Ihre Lebenserwartung liegt deutlich unter dem Schnitt, die Arbeitslosigkeit weit darüber. Als 1788 die ersten britischen Siedler in Australien eintrafen, wurde die Zahl der Ureinwohner noch auf etwa eine Million geschätzt. Heute gibt es noch 450.000.

Abbott hat sich schon vor seiner Zeit als Premierminister für die Rechte der Ureinwohner eingesetzt. Seine ungeteilte Aufmerksamkeit werden sie allerdings auch in ihrer Heimat nicht erhalten. Der Regierungschef hat sich nämlich einen denkbar schlechten Zeitpunkt für eine Exkursion in den Busch ausgesucht. Kurz vor dem Abflug hat Abbott angeordnet, dass Australien als erstes Land mit 600 Soldaten und Kriegsgerät die USA im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ im Irak unterstützt.

„In diesen schweren Stunden stehe ich in ständigem Kontakt mit Canberra“, sagte Abbott bei seiner Ankunft und kam direkt auf die extra von der Armee verlegten Kommunikationsleitungen zu sprechen. „Dank modernster Technik kann ich von diesem entlegenen Winkel aus mit der ganzen Welt kommunizieren.“ Es klingt, als wolle er die Technik in den kommenden Tagen ausgiebig nutzen.

Conrad von Meding 15.09.2014
15.09.2014