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Deutschland / Welt Autonome drohen zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit mit Gewalt
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10:02 28.09.2010
Von Alexander Dahl
Wo die Prominenz feiert: Die Bremen-Arena. Quelle: dpa
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Mehrere Hunderttausend Gäste werden am kommenden Wochenende in Bremen erwartet, wenn dort das offizielle Jubiläum zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert wird. Rund 3000 Polizeibeamte müssen die Sicherheit garantieren – auch deshalb, weil linke Autonome angekündigt haben, die Feier gewalttätig zu stören. Im Internet wird für aggressive Aktionen unter dem Motto „Hauptsache, es knallt!“ geworben. Von „Straßentheater bis Grillanzünder“ reiche das Spektrum; Schwerpunkt seien aber „die militanten Aktionen“. Deren Inhalt: „Farbe, Glasbruch, Buttersäure“, wie es im Aufruf heißt. Ziel ist, so die Autonomen, die mit 1,7 Millionen Euro kalkulierte Veranstaltung möglichst teuer werden zu lassen.

Die Bremer Polizei nimmt die Drohungen „sehr ernst“, wie ein Polizeisprecher gestern dieser Zeitung sagte. Bereits jetzt seien „Maßnahmen“ eingeleitet worden, um Sachbeschädigungen im Vorfeld zu vermeiden; die Streifenfahrten in der Stadt habe man verstärkt. Anlass dafür sind Äußerungen der Autonomen, dass bei der Vorbereitung der Feier „eine ganze Reihe von Einzelpersonen und Firmen mitwirken; diese haben Namen, Adressen und oft auch schicke Autos vor der Tür!“ – die unverhohlene Drohung, dort Anschläge zu verüben. Am Wochenende gab es bereits einen Brandanschlag auf einen Bremer Recyclinghof, bei dem ein Schaden von etwa 100 000 Euro entstanden ist Angesichts von Graffiti „3.10.“ und „riot“ (englisch für: Aufstand) geht die Polizei von einem Zusammenhang mit der Einheitsfeier in der Hansestadt aus. Schon bei der ersten Bremer Einheitsfeier 1994 gab es gewalttätige Krawalle.

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Höhepunkt der Feier ist der offizielle Festakt in der „Bremen Arena“, auf dem Bundespräsident Christian Wulff seine lange angekündigte Grundsatzrede halten will. Mit dabei sind auch der amtierende Bundesratspräsident und Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Exaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), aber auch Popsängerin Nena, Stargeiger David Garrett, Olympiasiegerin Heike Drechsler und Literaturnobelpreisträger Günter Grass.

Verärgerung, vor allem bei Grünen und Linken, hat eine Parallelfeier in Berlin ausgelöst, die Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Abend gibt. 2000 Gäste werden dazu vor dem Reichstagsgebäude erwartet – darunter jene Prominente, die mittags in Bremen sind. Laut Bundestagsverwaltung soll ein „Shuttleservice“ der Flugbereitschaft die Gäste nach Berlin bringen. „Die Feier wurde wegen des außerordentlichen Jubiläums angesetzt und mit dem Bundespräsidialamt und dem Bundesrat abgestimmt“, sagte eine Sprecherin von Lammert. In Bremen kam die Aktion nicht gut an: Bürgermeister Böhrnsen will jedenfalls nicht nach Berlin reisen.