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Deutschland / Welt Barack Obama läuft der Jugend hinterher
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Barack Obama läuft der Jugend hinterher
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15:32 15.10.2010
Fernsehauftritt bei MTV: US-Präsident Barack Obama stellt sich den Fragen der Jugend.
Fernsehauftritt bei MTV: US-Präsident Barack Obama. Quelle: ap
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Eigentlich hätte der Auftritt des US-Präsidenten beim TV-Jugendsender MTV ein Heimspiel werden sollen. Doch gleich die erste Frage stellte ein „bekennender Republikaner“. Warum sich Barack Obama denn nicht an sein Versprechen halte, das ewige Parteiengezänk zu überwinden? Die nächste Frage ging um Arbeitslosigkeit und flaue Konjunktur. „Warum sollen wir Sie noch mal wählen?“ Einen leichten Stand hatte Obama wirklich nicht.

Gute zwei Wochen sind es noch bis zur Kongresswahl am 2. November. Wenn sich die Umfragen bewahrheiten, könnte das Obama-Lager gar in beiden Parlamentskammern die Mehrheit verlieren. Will der Präsident das Blatt noch wenden, muss er alle Register ziehen.

Einige der jungen Leute bei MTV trugen Jeans und karierte Hemden, andere Krawatte und Jacket. Angeblich ein „handverlesenes Publikum“, wie Kritiker monierten. Die Fragen stellte es aber brav und höflich. „Mr. President, ich würde gerne wissen...“

Dennoch: Heikle Fragen, schwierige Antworten. Zur Arbeitslosigkeit meinte Obama etwa, die meisten Leute hätten ihren Job bereits verloren, bevor er sein Amt überhaupt angetreten habe. Ist das ein Trost für junge Jobsuchende? Zum Thema Parteiengezänk antwortet Obama: „Tolle Frage ... Ich glaube schon, dass es eine Reihe von guten Ideen von Republikanern gibt.“ Auch 20-jährige Studenten dürften das als nichtssagende Rhetorik durchschauen.

Die Popularität des Präsidenten bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren ist dramatisch gefallen: Vor zwei Jahren fanden ihn sage und schreibe 84 Prozent gut - heute liegt die Quote bei 58 Prozent, wie eine Umfrage von „ABC News“ herausfand. Andere Umfragen belegen, dass fast 60 Prozent der Jugend Politik nur noch mit Zynismus verfolgen.

Ein Beispiel konnte Obama gleich bei MTV erleben. Nach diversen Fragen zum maroden Schulsystem, zu Immigration und Problemen von Homosexuellen in der US-Armee, blendete MTV Facebook- und Twitter-Botschaften junger Leute über ihre größten Sorgen und Hoffnungen ein. „Meine größte Furcht ist, dass wir zu einem kommunistischen Land werden“, hieß es in einer Botschaft.

„Meine größte Furcht ist es, dass Obama wiedergewählt wird“, meinte ein Facebook-Beitrag. Der Präsident reagierte gelassen, erneut konterte er mit geschickter Rhetorik. „Internet und Twitter sind sehr mächtige Instrumente, aber statt in einen DialoUg zu treten, reden wir nur schlecht übereinander.“

Ein 20-jähriger Student von der Villanova University vor den Toren Philadelphias brachte das Desinteresse unlängst auf den Punkt. „2008 trugen noch viele junge Typen Aufkleber und Anstecknadeln.“ Heute sei das ganz anders. „Die jungen Leute leben in ihrer eigenen Welt und sind weniger engagiert als 2008“, meinte ein Kommilitone. „Damals unterstützten viel mehr Studenten Obama.“

dpa