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Deutschland / Welt Barack Obama schwört zur Vereidigung auf Lincoln-Bibel
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00:15 23.01.2013
Barack Obama hat bei seiner zweiten Amtseinführung auf die Bibeln von Abraham Lincoln und Martin Luther King geschworen. Quelle: dpa
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Washington

Knapp eine Million Amerikaner reisten am Wochenende eigens in die US-Hauptstadt, um die öffentliche Vereidigung von Barack Obama zu begleiten. Neben den offiziellen Paraden feiern die Gäste auch auf unzähligen Straßenfesten und Bällen. Ein besonderes Ereignis dürfte die zweite Amtsperiode des ersten schwarzen Präsidenten vor allem für die Afroamerikaner sein: Vor genau 150 Jahren hob Präsident Abraham Lincoln die Sklaverei auf, und vor genau 50 Jahren begann der "Marsch nach Washington" von Martin Luther King, mit dem die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten von Amerika endgültig überwunden werden sollte.

Obama wird am heutigen Montag gezielt an diese besonderen Daten erinnern. Erstmals schwört das Staatsoberhaupt seinen Eid auf zwei Bibeln: Dem Gebetbuch von Lincoln und der Heiligen Schrift, die King auf seinen Reisen benutzte.Wie präsent die Rassenfrage bis heute in den USA ist, spiegelte sich denn auch in dem Wahlergebnis am 6. November wider: Mehr als 90 Prozent der Afroamerikaner stimmten für Obama.

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Für den 51-Jährigen dürfte die Amtseinführung vor diesem historischen Hintergrund eine besondere Genugtuung sein, hatten 2008 doch noch viele Republikaner gehöhnt, der Demokrat sei eher aus Versehen und als direkte Reaktion auf die Ära von George W. Bush gewählt worden. Nun aber kann Obama für sich verbuchen, nicht nur zum ersten schwarzen Präsidenten Amerikas  gewählt worden zu sein, sondern auch zum ersten wiedergewählten schwarzen Staatsoberhaupt.

Angesichts dieser Besonderheiten geraten die Kuriositäten an diesem langen Festwochenende zur Nebensächlichkeit: Präsident und Vizepräsident wurden bereits am Sonntag im engsten Kreis vereidigt, da die Verfassung diesen Schritt bis zum 20. Januar um 12 Uhr mittags verlangt. Seit dem frühen 19. Jahrhundert ist es in Washington aber üblich, die öffentliche Vereidigung auf dem darauffolgenden Montag zu verschieben, sollte der 20. Januar auf einen Sonntag fallen. Für strenggläubige Christen war es damals undenkbar, an einem Sonntag zu einer Wahl oder zu einem öffentlichen Spektakel zu gehen.

Die Festlichkeiten und Paraden zur Amtseinführung, der sogenannten Inauguration, gelten in den USA traditionell als ein großes überparteiliches Ereignis, an dem sich in diesem Jahr auch demonstrativ viele Republikaner beteiligen. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Obama in den kommenden Wochen und Monaten vor enormen Herausforderungen steht. Auch wenn sein persönlicher Wahlsieg gegenüber dem Herausforderer Mitt Romney deutlich ausfiel, veränderte sich die Sitzverteilung im Kongress nur unwesentlich: Die Republikaner können mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus weiterhin wichtige Gesetzgebungsverfahren blockieren. Sowohl bei der Bewältigung der anhaltenden Schuldenkrise als auch bei der Reform der umstrittenen Waffengesetze bleiben die Demokraten auf die Mitarbeit der Opposition angewiesen. 

von Stefan Koch