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Deutschland / Welt Barack Obama will die Chinesen nicht verärgern
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22:40 18.02.2010
Der Dalai-Lama hat am Donnerstag das Weiße Haus besuch. Quelle: afp
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Während US-Präsident George W. Bush im Jahr 2007 dem geistlichen Führer Tibets noch in einer Feierstunde eine goldene Freiheitsmedaille überreichte, war dieses Mal die Tatsache, dass das Treffen überhaupt stattfand, Botschaft genug. Allerdings waren keine Kameras und Mikrofone zugelassen, es gab auch keinen gemeinsamen Auftritt vor der Presse. Dies gilt in Washington als Geste Obamas, die chinesische Führung nicht zusätzlich zu verärgern und die ohnehin angespannten Beziehungen zu China nicht weiter zu verschlechtern. Ein Sprecher des State Departement sprach von „komplexen Beziehungen“ der Staaten.

Das Oval Office, also das Büro des US-Präsidenten, in dem normalerweise die zeremoniellen Fotos mit Staatsgästen gemacht werden, ist für den Dalai-Lama traditionell tabu. Doch im Gegensatz zu Bill Clinton, der den tibetischen Besucher immer in den Privatgemächern des Weißen Hauses empfing, wurde der Dalai-Lama diesmal in den repräsentativen, sogenannten Kartenraum des Weißen Hauses vorgelassen.

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Doch mehr als diplomatische Floskeln waren als Ergebnis des Gespräches nicht vorgesehen. Das Weiße Haus meinte in einer achtzeiligen Erklärung, Obama habe seine „starke Unterstützung für die Erhaltung der einzigartigen religiösen, kulturellen und sprachlichen Identität Tibets und für den Schutz der Menschenrechte der Tibeter in der Volksrepublik“ bekräftigt. Er unterstütze den Ansatz der Gewaltlosigkeit des Dalai Lama. Beide Seiten sollten den Dialog fortsetzen.

Der Repräsentant des Dalai-Lama in Washington, Lodi Gyari, sah in dem Treffen dennoch einen wichtigen Schub für die Sache Tibets: „Die Amerikaner sollten stolz darauf sein und nicht zögerlich.“ Der Dalai Lama selbst sagte nach der einstündigen Begegnung, er sei „sehr glücklich“ über das Treffen.

Obama hatte bei der in Washington einflussreichen und in beide amerikanischen Parteien hineinreichenden Gruppe der Tibet-Sympathisanten etwas gutzumachen. Dass er das Gespräch im Herbst aufgeschoben hatte, war dort mit Verbitterung aufgenommen worden. Es war in der Tat ein Bruch mit einer gewissen Tradition. Seit 1991 hatten alle US-Präsidenten den Dalai-Lama bei seinen gelegentlichen Besuchen in Washington immer empfangen.

Auch der Repräsentant Tibets in der US-Hauptstadt machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Wir waren schon sehr frustriert“, sagte Lodi Gyari. Die Absage im vergangenen Herbst sei ein Schlag für die Moral der Tibeter gewesen. Obama habe China ein Signal der Schwäche übermittelt, was Pekings aggressive Reaktionen auf den jetzigen Besuch überhaupt erst befeuert habe, sagte Gyari. Die Absichten der Amerikaner seien ehrenwert gewesen: „Aber ich denke, die Chinesen haben die Sache falsch interpretiert. Wir hoffen, dass dieses Treffen diese Sorgen zerstreuen kann.“

Andreas Geldner