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Deutschland / Welt Der Sieg der Weltlichen
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06:33 29.10.2014
Feiern nach dem Sieg: Eine Anhängerin von Nidaa Tounes in Tunis. Quelle: Mohamed Messara
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Tunis

Obwohl immer noch keine offiziellen Zahlen der Wahlkommission vorliegen, räumte die islamistische Ennahda bereits ihre Niederlage ein. Parteisprecher Ziad al-Adhari gratulierte der säkularen Allianz Nidaa Tounes (Ruf Tunesiens). Er sagte, die Ennahda werde das Wahlergebnis respektieren.

Damit hat das Land, in dem der Arabische Frühling seinen Anfang nahm, einen friedlichen Übergang der Macht sichergestellt. Terrorismus war neben der Wirtschaftskrise das große Wahlkampfthema. Erst am Freitag hatten Spezialkräfte westlich von Tunis ein Haus gestürmt, in dem sich mehrere Extremisten verschanzt haben sollen - sechs mutmaßliche Dschihadisten wurden getötet. Am Wahltag sicherten landesweit 80 000 Polizisten und Soldaten die Abstimmung ab. An jedem Wahllokal waren sie in großer Zahl präsent.

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Die zweite freie Abstimmung seit dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali 2011 lief auf den Zweikampf zwischen Nidaa Tounes und Ennahda hinaus. Bei der letzten Wahl vor drei Jahren hatte Ennahda mit großem Abstand gesiegt. Nidaa Tounes profiliert sich heute als Kraft gegen Extremisten. Aber auch die Ennahda betont immer wieder, sie habe nichts mit Dschihadisten zu tun.

Besonders populär in Tunesien ist der 87-jährige Vorsitzende der Nidaa Tounes, der ehemalige Premierminister Béji Caïd Essebsi. Er kandidiert auch bei der Präsidentenwahl im November - und befindet sich damit nach dieser Wahl, die ihn als Sieger auszeichnet, schon wieder in einem Wahlkampf. Nur mit dem Thema Terrorismus aber wird er nicht punkten können. Tunesien hat auch andere große Probleme. Vor allem in den armen und ländlichen Regionen spielen eher Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit eine wichtige Rolle. Denn obwohl sich Tunesien von allen Ländern des Arabischen Frühlings nach den Umstürzen von 2011 politisch am stabilsten entwickelt hat, spüren das viele Menschen wirtschaftlich noch nicht. Und dort, wo viele Tunesier in Armut ausharren, sind nach wie vor die Islamisten stark.

Wenn das neue Parlament die Arbeit aufnimmt, kann die derzeitige Übergangsregierung von einer gewählten politischen Führung abgelöst werden. Mit der Wahl eines Präsidenten bis zum Jahresende soll der nach der Revolution eingeleitete Weg in die Demokratie abgeschlossen sein. Bis spätestens Februar soll das Kabinett arbeitsfähig sein. Die Legislaturperiode dauert fünf Jahre.