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Deutschland / Welt Berichte über Alibi bei Strauss-Kahn-Affäre
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16:59 16.05.2011
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Quelle: dpa
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Rätselraten um ein Alibi: In der Affäre um einen angeblichen Vergewaltigungsversuch von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wollen die Anwälte des Franzosen wohl entlastende Beweise vorlegen. Unklar war bis zum späten Montagnachmittag, ob der 62-Jährige Franzose nach einem Termin bei einem New Yorker Richter auf Kaution freikommt. Dabei könnten auch die Ergebnisse einer DNA-Analyse eine entscheidende Rolle spielen. In Brüssel wurde ein Treffen der EU-Finanzminister von der Affäre überschattet.

Dem IWF-Chef werden versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. Strauss-Kahn, der in Frankreich als möglicher Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, bestreitet die Vorwürfe. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der 62-Jährige zur mutmaßlichen Tatzeit jedoch gar nicht in dem Hotel, wo er angeblich ein Zimmermädchen zum Oralsex zwingen wollte. Vielmehr soll er sich mit seiner Tochter zum Essen getroffen haben. Nach der angeblichen Tat war Strauss-Kahn am Samstag kurz vor dem Abflug aus New York im Flugzeug festgenommen worden.

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Informationen französischer Medien widersprechen der Darstellung der New Yorker Polizei vom Tatablauf. Laut der Zeitung „Le Monde“ war Strauss-Kahn in New York, um seine Tochter zu treffen. Er habe seine Hotelrechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sich anschließend mit ihr zum Essen getroffen. Die Polizei hatte nach CNN-Angaben dagegen erklärt, das Zimmermädchen habe die Suite Strauss-Kahns gegen 13.00 Uhr Ortszeit betreten, ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhalte. Anschließend habe der IWF-Chef die Frau dort attackiert.

Nach Informationen des französischen Radiosenders RMC wollen Strauss-Kahns Anwälte demnächst Beweise für das Treffen mit seiner Tochter vorlegen. Sie wollten außerdem argumentieren, dass das Zimmermädchen möglicherweise ein finanzielles Interesse gehabt habe, den IWF-Chef der versuchten Vergewaltigung zu beschuldigen. Eine Bestätigung der Anwälte für die Berichte gab es zunächst nicht.

Der rechtsmedizinischen Untersuchung stimmte Strauss-Kahn nach Angaben seiner Anwälte freiwillig zu. Es sollte unter anderem nach Kampf- oder DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers gesucht werden. Die junge Frau hatte den Franzosen nach einem Bericht der „New York Daily News“ bei einer Gegenüberstellung erkannt. Ein Richter muss nun entscheiden, wie es Strauss-Kahn weitergeht. Die „New York Times“ spekulierte über eine Kaution in Höhe von mehreren Millionen Dollar.
Bei dem Zimmermädchen handelt es sich um eine 32-Jährige afrikanischer Herkunft, die nach einem Bericht der „New York Times“ in der Bronx lebt und eine Tochter im Teenager-Alter hat. Nach Informationen des „Figaro“ arbeitete die Frau seit drei Jahren für das Hotel.

Die Polizei hatte nach Angaben von US-Medien die Vorgänge in dem Hotelzimmer so geschildert: Das Zimmermädchen habe am Samstag die für 3000 Dollar pro Nacht vermietete Luxussuite betreten - ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhielt. Sie habe zuvor an die Zimmertür geklopft und sei erst eingetreten, nachdem sie keine Antwort erhalten habe. Die Tür sei offen geblieben, wie es den Regeln des Hauses entspreche, berichtete die „New York Times“ weiter.

Als die Frau das Zimmer betrat, sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, auf sie zugerannt und habe sie ins Schlafzimmer gezerrt. Es sei ihr zunächst gelungen, ihn abzuwehren und wegzulaufen. Doch im Badezimmer habe Strauss-Kahn die Frau wieder erwischt und versucht, ihr den Slip herunterzureißen. Kollegen der Frau alarmierten die Polizei.

Strauss-Kahn saß kurz nach der angeblichen Tat in einer Air-France-Maschine, die Richtung Europa abheben sollte. Er hatte aber noch im Hotel angerufen, weil er dort ein Mobiltelefon vergessen hatte. Erst durch diesen Anruf habe die Polizei erfahren, wo er sich aufhalte. Beamte in Zivil holten den IWF-Chef wenige Minuten vor dem Abflug aus der Maschine.

Ohne den IWF-Chef berieten die EU-Finanzminister am Montag in Brüssel über das Portugal-Hilfspaket. Die Kassenhüter wollten das 78 Milliarden Euro schwere Paket für das ärmste europäische Land billigen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die „schrecklichen Meldungen aus New York“ machten alle betroffen. Über die Hilfen für Portugal könne aber auch ohne Strauss-Kahn entschieden werden.

Beim Internationalen Währungsfonds übernahm IWF-Vize John Lipsky die Amtsgeschäfte. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht.

Die Bundesregierung warnte vor einer Vorverurteilung des Franzosen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich bei einem möglichen Wechsel an der IWF-Spitze für einen europäischen Kandidaten aus. Nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel müsste ein Nachfolger dagegen nicht unbedingt aus Europa kommen.

Am späten Sonntagabend (Ortszeit) hatte Strauss-Kahn die Polizeistation in Harlem verlassen, die Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Zwei Beamte fassten ihn rechts und links unter den Armen. Er wirkte erschöpft und sagte kein Wort zu den zahlreichen Journalisten.

In Frankreich haben die Bilder des IWF-Chefs in Handschellen Bestürzung bei seinen Anhängern ausgelöst. Strauss-Kahn hatte sich bislang nicht offiziell dazu geäußert, ob er bei den nächsten Wahlen gegen Präsident Sarkozy antreten wollte.

dpa

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