Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Berlin fordert Auslieferung von festgenommenen Mossad-Agenten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Berlin fordert Auslieferung von festgenommenen Mossad-Agenten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:18 13.06.2010
Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh wurde im Januar in Dubai mutmaßlich von Mossad-Agenten ermordet. Quelle: dpa

Israels Serie der internationalen Verwicklungen reißt nicht ab. Die erste Festnahme eines mutmaßlichen israelischen Agenten im Zusammenhang mit dem Mord an dem Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh im Januar in Dubai wird für Israel zur diplomatischen Belastungsprobe. Gerade war es wieder still geworden um den aufsehenerregenden Mord in dem arabischen Emirat - jetzt kocht die Affäre um den mutmaßlichen Missbrauch ausländischer Pässe durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad wieder hoch. Israel dürfe in nächster Zeit „nur noch auf Zehenspitzen“ auf dem internationalen Parkett auftreten, riet ein bekannter israelischer Kommentator der Regierung am Sonntag.

Der angebliche Agent namens Uri Brodsky wurde Anfang des Monats in Warschau festgenommen, wie die polnische Staatsanwaltschaft am Sonntag bestätigte. Er soll einem anderen Israeli im vergangenen Jahr dabei geholfen haben, in Köln einen deutschen Pass zu bekommen. Mit diesem Pass, ausgestellt auf den Namen Michael Bodenheimer, war einer der mutmaßlichen Mörder im Januar nach Dubai gereist. Es ist davon auszugehen, dass der Mann - wie die anderen Tatverdächtigen - die gestohlene Identität eines Israelis benutzte. Ein Psychiater namens Uri Brodsky aus Kiriat Ono bei Tel Aviv beteuerte jedenfalls am Sonntag im Gespräch mit dem israelischen Armeesender, er sei „von solchen Dingen weit entfernt“.

Die Festnahme in Warschau kommt für den jüdischen Staat zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Erst vor zwei Wochen hatten israelische Elitesoldaten mit der blutigen Erstürmung der Gaza-„Solidaritätsflotte“ weltweit Empörung und heftige Kritik ausgelöst. Besonders unangenehm ist aus israelischer Sicht, dass gerade Deutschland als wichtigster Freund in Europa nun die Auslieferung des Mannes fordert.

Der israelische Tourismusminister Stas Miseschnikow sagte am Sonntag zwar: „Ich glaube nicht, dass die Festnahme eines Israelis in Warschau zu einer Krise mit Deutschland führen wird.“ Israel habe Polen gebeten, den Mann nicht nach Deutschland, sondern in seine Heimat auszuliefern.

Aus deutscher Sicht wirft der mutmaßliche Missbrauch eines deutschen Passes bei dem Mord in Dubai jedoch einige Fragen auf. Man könne auf jeden Fall davon ausgehen, „dass der deutsche Geheimdienst sehr wütend auf Israel ist, weil es die deutsche Souveränität schwer beschädigt hat“, schrieb der israelische Journalist Ronen Bergman am Sonntag in einem Kommentar.

In der deutschen Botschaft in Tel Aviv ist wegen der Sache deutliches Unbehagen spürbar. Zahlreiche Israelis verfügen über eine Doppelstaatsbürgerschaft. Die Vergabe deutscher Pässe wird wegen der besonderen Beziehungen zwischen den beiden Ländern eher großzügig gehandhabt. Sollten solche Doppelstaatsbürgerschaften vom Mossad für umstrittene Einsätze in Gegenden ausgenutzt werden, in die Israelis sonst nicht ohne weiteres reisen können, ist dies für Deutschland äußerst problematisch.

Einige israelische Kommentatoren konnten jedoch am Sonntag nur wenig Verständnis für die deutschen Bemühungen zur Festnahme des mutmaßlichen Mossad-Agenten und den Auslieferungsantrag aufbringen. In Israel wird der Mord an Al-Mabhuh, der als wichtiger Drahtzieher von Waffenlieferungen in den blockierten Gazastreifen galt, als legitimes Mittel zur Verteidigung des Staates angesehen.

„Diente er den Mächten des Lichts oder jenen der Finsternis?“, fragte Dan Margalit von „Israel Hajom“ rhetorisch. „Es ist nicht zu verstehen, warum die Deutschen so versessen darauf sind, außerhalb ihrer Staatsgrenzen einen Israeli zu finden, der im schlimmsten Fall im dritten oder vierten Kreis um die Täter im Einsatz war.“

dpa

Mehr zum Thema

Die Europäische Union verlangt von Israel Aufklärung über die mögliche Verwendung von EU-Pässen bei der Ermordung eines Hamas-Funktionärs in Dubai durch den israelischen Geheimdienst.

22.02.2010

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat laut einem Bericht der „Sunday Times“ den Mord an einem ranghohen Führer der palästinensischen Hamas in Dubai persönlich genehmigt.

21.02.2010

Im Zusammenhang mit dem mysteriösen Mordanschlag auf den Hamas-Funktionär Mahmud al Mabhuh im Januar in Dubai gerät Israel zunehmend unter Druck.

18.02.2010

Der britische Konzern BP bekommt nach der Ölkatastrophe vor der US- Küste heftig Prügel. In Großbritannien versteht man das auch als Attacke aufs eigene Land. Das Verhältnis zwischen Washington und London ist angespannt. Politiker versuchen jetzt, zu beschwichtigen.

13.06.2010

Präsidentschaftskandidat Christian Wulff (CDU) wird am Montag in einem Live-Videochat Fragen von Bürgern beantworten.

13.06.2010

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach andauernden Streitereien von schwarz-gelb zur Ruhe aufgerufen und Zusammenarbeit gefordert. „Was die Umgangsformen in der Koalition anbelangt, müssen wir abrüsten“, sagte Merkel der „Bild am Sonntag“.

13.06.2010