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Deutschland / Welt Auftritt: Bettina Wulff
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Auftritt: Bettina Wulff
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00:15 15.12.2013
Von Michael B. Berger
Küsschen zur Begrüßung: Bettina und Christian Wulff. Quelle: dpa
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Hannover

Da kommt sie. Wie elektrisiert stürzen sich die vielen Kamerateams auf Bettina Wulff, die festen Schritts auf das Landgericht zugeht. Die Menge zerteilt sich, Frau Wulff eilt nach oben, begrüßt ihren Nochehemann, der ihr im Gang vor dem Verhandlungssaal ein Küsschen auf die Wange drückt. So, als wäre nichts geschehen. Sie, die seit elf Monaten getrennt vom früheren Bundespräsidenten lebt, will aussagen – und, ohne Zweifel, ihren Mann entlasten.

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Der siebte Verhandlungstag im Schwurgerichtssaal macht das Strafverfahren gegen Bundespräsident a. D. Christian Wulff zum Schauprozess – im wörtlichen Sinn. Denn diesmal sind im Unterschied zu den vorangegangenen Tagen viele Zuschauer gekommen, die Bettina Wulff erleben wollen. Bei „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler, eine Woche zuvor, waren es deutlich weniger. Wie denn das Verhältnis zu ihrem Mann sei, will Richter Frank Rosenow wissen, der die Zeugin auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht als Nochehefrau hinweist. „Sehr freundschaftlich“, entgegnet Bettina Wulff, „wir sehen uns regelmäßig und telefonieren.“ Schließlich hätten sie noch einen gemeinsamen Sohn.

Und dann schildert sie, dass der Oktoberfestbesuch auf Einladung des Filmfinanziers David Groenewold bei einem gemeinsamen Essen in Wulffs damaliger Wohnung in der Spinozastraße im Stadtteil Kleefeld ausgeheckt worden sei, an dem auch „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler teilgenommen habe. „Einmal gemeinsam auf dieses Fest gehen wollten wir.“ Aber dann sei immer wieder die Terminlage ihres Mannes dazwischengekommen. Bis es endlich im Oktober 2008 klappte. Und so habe man das ursprünglich privat geplante Treffen mit dienstlichen Dingen verknüpft, etwa mit einem Gespräch Christian Wulffs mit dem Münchener Verleger Hubert Burda und dessen Frau Maria Furtwängler. Er habe mit der Schauspielerin reden wollen, ob man Einfluss nehmen könne auf die Drehbücher, sagt die gelernte PR-Frau: „Weil es immer so düstere Szenen aus Niedersachsen gibt, über die wir uns geärgert haben. Damit man das Land mal freundlicher darstellt.“

Mit Spannung war im Dezember die Aussage von Bettina Wulff im Prozess gegen ihren Ehemann erwartet worden. Die beiden, die getrennt voneinander leben, begrüßten sich sehr freundlich vor der Verhandlung.

An Dinge, die die Staatsanwaltschaft interessieren, hat Bettina Wulff keine Erinnerung. Auch nicht an ein angebliches Abendessen mit Groenewold im Nobelhotel „Bayerischer Hof“. Als Richter Rosenow ihr einen Bewirtungszettel vom „Bayerischen Hof“ vorhält, kann Bettina Wulff „beim besten Willen“ nichts damit anfangen. „Ich weiß, worauf Sie herauswollen“, sagt sie zum Richter, „aber ich esse kein Fleisch und keine Garnelen, bestenfalls Hühnchen.“
Diese Restaurantrechnung ist Teil der Anklage, ebenso jene Hotel- und Bewirtungskosten, die Groenewold noch für die Wulffs übernahm. Geschah dies aus kühler Berechnung eines Filmfinanziers, der auch Projekte in Niedersachsen verfolgte, oder aus reiner Freundschaft?

Wulff über Wulff

„Mein Mann trinkt so gut wie keinen Alkohol, er hatte vermutlich Wasser oder Apfelschorle. Wenn er es mal so richtig krachen lassen will, bestellt er einen
Bananensaft.“
Bettina Wulff zur Frage, warum auf der Restaurantrechnung fünf Flaschen Champagner standen.

„Er hat immer ,Schein-Geld’ in der Hosentasche und eine natürliche Aversion gegen Kreditkarten.“
Bettina Wulff über das gegenseitige Einladen.

„Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis.“
Bettina Wulff über ihre aktuelle Beziehung zu ihrem Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt.

„An eine ausgelassene Champagnersause kann ich mich nicht erinnern.“
„Nach einer mühselig langen Fahrt sind wir mit einem schreienden Kleinkind in München
angekommen.“
Bettina Wulff über den umstrittenen Besuch beim Oktoberfest 2008.

Deshalb fragt der Richter immer wieder, wie es denn um die Freundschaft der beiden bestellt gewesen sei. Damals habe Groenewold zu den besten Freunden ihres Mannes gezählt. Ein „im besten Sinn umtriebiger, fröhlicher Mensch“ sei er gewesen, einer, der gerne gefeiert habe. Nicht das Kontrastprogramm zu Christian Wulff, aber: „Die beiden haben sich gut ergänzt.“

Bettina und Christian Wulff waren das erste Paar der Republik – bis zur Affäre um Hauskredit und der Anklage wegen Bestechlichkeit. Eine Ehe in Bildern:

Der Angeklagte Wulff verfolgt die Aussagen seiner Ehefrau mit zunehmendem Vergnügen. Sie bilden das Passepartout zu Wulffs eigenen Einlassungen am ersten Prozesstag. Etwa mit der Aussage, dass er, der notorische Alkoholverächter, nicht mit einer „Champagnersause aufs Oktoberfest“ gelockt werden könne. So fällt auch wieder Bettina Wulffs Satz, dass, wenn Ehemann Christian „es richtig krachen“ lassen wolle, er ein Glas Bananensaft aufs Zimmer bestelle. Nur „zum Anstoßen“ habe sie im Oktoberfestzelt etwas Champagner zu sich genommen, weil sie damals noch ihren Sohn Linus gestillt habe. „Was wollen Sie noch wissen?“, fragt Bettina Wulff etwas spitz den Richter Rosenow. Wie das mit dem Babysitter gewesen sei? Bettina Wulff erinnert sich nur, dass ihr Ehemann die Babysitterin „ganz attraktiv“ gefunden habe. Und später über die relativ hohen Kosten der Kleinkinderbetreuung gemosert habe. Kein Wort davon, dass erst Groenewold die Kosten für den Babysitter übernommen hatte.

So lehnen sich am Ende dieser einstündigen Vernehmung Wulffs Verteidiger zufrieden zurück. Sie haben keine Fragen. Spannend wird nun sein, was Rosenow in einer Woche als „Zwischenbilanz“ vortragen wird. Bis April ist der Prozess um Vorteilsnahme oder Bestechung anberaumt. Doch Bestechung dürfte als Vorwurf ganz ausscheiden. Endet das Verfahren möglicherweise früher? Die Antwort weiß nur der Richter.

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