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Deutschland / Welt Bis zu 250 Tote bei Massaker in Syrien
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19:37 13.07.2012
Bei erneuten Angriffen in Syrien sollen mehr als 200 Zivilisten getötet worden sein. Quelle: dpa
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Damaskus

Ein fürchterliches Blutbad in einem syrischen Dorf hat weltweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein internationales Eingreifen angeheizt. Bis zu 250 Menschen sollen in Tremseh nahe der Stadt Hama getötet worden sein. Der Angriff auf dieses Dorf könnte, wenn sich die Angaben der Opposition bestätigen, das bislang schlimmste Massaker seit Beginn des Aufstandes vor 16 Monaten sein. Einige Oppositionsgruppen erklärten, in dem Dorf seien am Donnerstag bis zu 250 Menschen getötet worden. In anderen Berichten war von rund 160 Toten die Rede.

Die Lokalen Koordinierungskomitees der Revolution sprachen von 74 Toten, Dutzenden Vermissten und über 200 Verwundeten. Etwa 100 Menschen hätten die Regimetruppen bei ihrem Angriff auf das Dorf gefangen genommen. Aktivisten berichteten, die Armee habe Tremseh erst mit Artillerie bombardiert und dann Truppen in den Ort geschickt. Die Soldaten hätten Kämpfer der Opposition erschossen und Zivilisten massakriert. Außerhalb des Dorfes seien Menschen getötet worden, die versucht hätten zu fliehen.

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Die Lokalen Koordinierungskomitees der Revolution sprachen von 74 Toten, Dutzenden Vermissten und über 200 Verwundeten. Etwa 100 Menschen hätten die Regimetruppen gefangen genommen. Aktivisten berichteten, die Armee habe Tremseh erst mit Artillerie bombardiert und dann Truppen in den Ort geschickt. Die Soldaten hätten Kämpfer der Opposition erschossen und Zivilisten massakriert. Außerhalb des Dorfes seien Fliehende getötet worden. Die Angriffe dauerten viele Stunden und zogen sich bis in den späten Abend hin. Nach Darstellung des Militärs in Damaskus erfolgte der Einsatz in dem Dorf "auf Anforderung der Bewohner".

Zu dem Angriff auf das Dorf bei Hama sagte der Leiter der UN-Beobachtermission, General Robert Mood: "Wir können bestätigen, dass es gestern in dem Gebiet von Tremseh länger andauernde Gefechte gab." Dabei seien unter anderem Militärhubschrauber und Geschütze eingesetzt worden. Sein Team sei bereit, vor Ort zur Aufklärung der Vorfälle in Tremseh beizutragen, "sobald es eine glaubwürdige Waffenruhe gibt".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich erschüttert. "Der Generalsekretär ist zutiefst besorgt über die jüngsten Meldungen aus der Provinz Hama", sagte sein Sprecher Martin Nesirky der Nachrichtenagentur dpa. Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan erklärte in Genf, er sei "schockiert und entsetzt" über die hohe Zahl von Toten sowie "die bestätigte Anwendung schwerer Waffen wie Artillerie, Panzer und Helikopter".

Die Bundesregierung fordere Syrien "sehr nachdrücklich" auf, den UN-Beobachtern unverzüglich Zugang zum "Ort des Verbrechens" zu gewähren, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte.

Mit dem erneuten Zwischenfall wächst nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes (AA) auch der Druck auf die internationale Staatengemeinschaft. Ein Sprecher erklärte, der Friedensplan von Kofi Annan bleibe der richtige Weg zu einem Ende der Gewalt und zu einem politischen Übergangsprozess. "Wir müssen ihn mit mehr Nachdruck versehen, damit das Regime in Damaskus endlich einsieht, dass der Weg der Gewalt nicht gangbar ist. Wir hoffen, dass die jüngsten, schrecklichen Vorfälle auch bisher Zögernde zum Einlenken bringen."

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) appellierte an den Weltsicherheitsrat, ein Eingreifen nach Kapitel VII der UN-Charta zu beschließen, um die Zivilisten in Syrien zu schützen. Sollte eine UN-Resolution erneut am Veto Russlands scheitern, müsse die Kontaktgruppe der Freunde Syriens alleine handeln, sagte der SNC-Vorsitzende Abdelbaset Seida in Istanbul. Die arabischen Staaten rief er auf, die Deserteure der Freien Syrischen Armee "mit allem, was sie benötigen" zu unterstützen.

Trotz immer neuer Gräueltaten ist der UN-Sicherheitsrat noch weit von einer Resolution zum Syrien-Konflikt entfernt. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen verhandelte zwar am Donnerstag (Ortszeit) über einen Entwurf. Nach wie vor gibt es aber Widerstand Russlands, weil das Papier die Drohung von Sanktionen enthält, wenn sich die Parteien nicht an Beschlüsse des Sicherheitsrates halten.

In Syrien gingen am Freitag landesweit Tausende Regimegegner auf die Straße, um gegen Präsident Baschar al-Assad zu protestieren. Teilweise richteten sich die Slogans der Demonstranten auch gegen den Syrien-Sondergesandten Annan.

Nach Angaben von Aktivisten wurden am Freitag weitere 58 Menschen von den Regierungstruppen getötet, darunter auch drei Teilnehmer einer Kundgebung im Palästinenserlager Jarmuk in Damaskus. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldet am Nachmittag Gefechte zwischen den Regierungstruppen und Deserteuren der Freien Syrischen Armee in dem Viertel. In der Nähe der iranischen Botschaft detonierte nach Angaben von Augenzeugen eine Bombe, die in einer Limousine versteckt war. Anwohner sprachen von mehreren Toten. Offiziell hieß es jedoch, es sei nur Sachschaden entstanden.


dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.