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Deutschland / Welt Bombenleger war CIA-Doppelagent
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23:14 09.05.2012
Ein Doppelagent der CIA soll das Bombenattentat auf ein Flugzeug aus dem Jemen in die USA vereitelt haben. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Washington

Der geplante Bombenanschlag von Al Qaida auf ein Passagierflugzeug ist laut US-Medien durch einen Doppelagenten vereitelt worden, der im Jemen in das Terrornetzwerk eingeschleust worden war. Dort habe er sich freiwillig für einen Selbstmordanschlag gemeldet, dann aber in einem wahren „Geheimdienst-Coup“ den Jemen verlassen und die Bombenpläne sowie wichtige Informationen an die CIA und den saudischen Geheimdienst verraten, berichteten die „New York Times“ und die „Washington Post“ unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsbeamte aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.

Der Geheimdienstmitarbeiter habe Wochen bei Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel verbracht, berichteten die „Los Angeles Times“ und der Sender ABC.  Die Nationalität des Mannes wurde nicht bekannt; er sei nicht von  der CIA rekrutiert worden, hieß es in der „New York Times“. Die „Washington Post“ schrieb, es handele sich um einen saudischen Informanten. Offiziell gab es dafür aber keine Bestätigung. Seine  Kontaktleute befanden sich laut anderen Medien in Saudi-Arabien.

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Durch den Coup wurde zugleich die enge Zusammenarbeit zwischen dem saudi-arabischen Geheimdienst und der amerikanischen CIA deutlich. Nach Medienberichten hatte der Doppelagent generell eine „besonders wichtige Rolle bei der Infiltration“ des Al-Qaida-Ablegers im Jemen gespielt. Allerdings bleibt unklar, wo und wann der Sprengsatz in ein Flugzeug geschmuggelt werden sollte. Nach Angaben von Geheimdienstbeamten wollte der Al-Qaida-Ableger im Jemen eine Bombe an Bord eines Flugzeugs Richtung USA bringen.

Der Fall löst vor allem wegen der Qualität der Bombe Besorgnis aus: Es handele sich um eine besonders ausgeklügelte Entwicklung, die keine Metallteile enthalte und daher bei Flughafenkontrollen nur schwer entdeckt werden könne.

Der Agent habe nach seiner Rückkehr auch Informationen über die Führer der Al-Qaida-Gruppe geliefert, schrieb die „New York Times“. Die CIA habe darauf am Sonntag einen Luftangriff veranlasst, bei dem das Al-Qaida-Führungsmitglied Fahd al-Kuso getötet wurde.  Al-Kuso wurde von den USA seit Jahren wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an dem Anschlag auf das Kriegschiff „USS Cole“ gesucht, bei dem im Jahr 2000 im Golf von Aden 17 US-Marinesoldaten getötet worden waren.

Der Vorsitzende des Ausschusses für innere Sicherheit im Repräsentantenhaus, Peter King, hatte zuvor bereits bestätigt, dass es eine Verbindung zwischen dem vereitelten Anschlagsversuch und  dem Angriff vom Sonntag gibt. „Das Weiße Haus hat mir gesagt, dass sie Teil derselben Operation waren“, sagte er.

Die CIA und das Weiße Haus wollten sich am Mittwoch nicht zu den Medienberichten äußern. Der Anschlagsversuch, der offenbar um den ersten Jahrestag der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden stattfinden sollte, war Montag bekannt geworden. Er sollte nach  dem Vorbild eines gescheiterten Attentats von 2009 auf eine Maschine nach Detroit erfolgen. Dabei hatte der Attentäter in seiner Unterhose eine Bombe an Bord geschmuggelt, deren Zündung aber fehlschlug.

Ein US-Beamter, der für den Antiterrorkampf zuständig ist, verwies auf Ähnlichkeiten zum Sprengsatz, der 2009 beim Anschlag auf den saudischen Vize­innenminister Mohammed bin Najef verwendet wurde. Auch hier hatte der Attentäter die Bombe in der Unterwäsche versteckt. Der US-Terrorexperte Bruce Riedel sagte, dies deute auf denselben Bombenbauer hin.

Wer baute die Superbombe?

Die Furcht vor der „unauffindbaren“ Bombe ist durch den Geheimdienst-Coup gegen Al Qaida größer geworden. Wie die „Washington Post“ berichtet, handelt es sich bei dem Sprengstoff um PETN, auch unter den Namen Nitropenta oder Pentrit bekannt, der auf Salpetersäure basiert. Der Mann, der die Bomben baue, heißt US-Medienberichten zufolge Ibrahim Hassan al-Asiri.

Er habe bereits seinen eigenen Bruder per Selbstmordanschlag in den Tod geschickt, Anschläge in Saudi-Arabien unternommen sowie „dreimal in den vergangenen Jahren versucht, die USA anzugreifen“. „Ein Genie des Bösen“, zitiert das Blatt einen republikanischen US-Abgeordneten.

Peer Meinert mit dpa/afp

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