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Deutschland / Welt Neue Stromtrassen nötig?
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21:35 24.01.2014
Von Jens Heitmann
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Wenn künftig weniger Windparks auf dem Meer und an küstennahen Standorten entstehen, mache das „eine neue Netzberechnung erforderlich“, heißt es in dem Schreiben des Wirtschaftsministeriums.

Damit deutet sich bei einem weiteren zentralen Punkt der Energiewende ein Umdenken an. Noch im vergangenen Sommer hatte die alte Regierungskoalition aus Union und FDP ein Bundesbedarfsplangesetz beschlossen, um den Netzausbau zu beschleunigen. Der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler sprach im Bundestag von einem „Meilenstein“, um künftige Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller vorantreiben zu können.

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Ein großes Problem bei der Energiewende ist die dezentrale Erzeugung. Grüner Strom wird größtenteils abseits der Industriezentren produziert: Das Gros der Windräder dreht sich im hohen Norden, die meisten Solaranlagen stehen in ländlichen Regionen Bayerns. Dort gibt es aber nur wenige Abnehmer. Um den Ökostrom in Regionen mit hohem Verbrauch zu transportieren, sind neue Leitungen nötig – das alte Hochspannungsnetz ist für diese Anforderungen nicht ausgerichtet. Allein zwei der vier bisher geplanten neuen großen Stromautobahnen sollen durch Niedersachsen laufen.

Die Bundesregierung hat in dieser Woche auf ihrer Kabinettsklausur in Meseberg beschlossen, die Installation neuer Windkraftanlagen an Land auf jährlich 2500 Megawatt zu begrenzen. Gleichzeitig wurden die Ziele für den Ausbau von Offshore-Windparks auf 6500 Megawatt bis zum Jahr 2020 gesenkt. Die vier großen Netzbetreiber müssen nun entscheiden, was diese neuen Ziele für sie bedeuten.

Die Bundesnetzagentur hatte als Aufsichtsbehörde bisher die Erwartung geäußert, dass die Unternehmen an ihren bisherigen Planungen festhalten werden. Nicht jede Veränderung der Ausbauszenarien führe automatisch zu einer Veränderung im Netzentwicklungsplan, erklärte Behördenchef Jochen Homann in der vergangenen Woche.

Im Berliner Wirtschaftsministerium hingegen stellt man sich auf eine Novellierung des Gesetzes ein. Sobald die Berechnungen der Netzbetreiber zeigten, „dass die energiewirtschaftliche Notwendigkeit für einzelne Vorhaben (...) dauerhaft entfällt, wird die Bundesregierung eine entsprechende Änderung des Bundesbedarfplangesetzes vorschlagen“, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage.

Nach Einschätzung der Grünen droht beim Netzausbau nun ein „totales Planungschaos“. Die Bundesregierung stelle den erst vor wenigen Monaten zwischen Bund und Ländern „mühsam hergestellten Konsens über die notwendigen neuen Leitungen wieder infrage“, sagte der Vize-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Oliver Krischer. Das bremse die Netzbetreiber aus: „Die Große Koalition fährt ihnen jetzt voll in die Parade. Wir fangen also faktisch wieder bei null an.“

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