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08:53 28.03.2014
Ein Haus der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Für Gerhard Schindler dürfte es ein eher entspannter öffentlicher Auftritt werden. Wenn der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) am Montag den Einzug der ersten 170 von 4.000 Frauen und Männern in die neue Zentrale der deutschen Auslandsspione mitten in der Hauptstadt feiert, dürfte es nicht um erneute Kostensteigerungen oder geklaute Baupläne gehen. Seit gut einem Jahr hat es jedenfalls kaum Negativschlagzeilen zu dem Riesenprojekt gegeben.

Etwas später in der Woche dürfte es für Schindler mit der Ruhe vorbei sein: Dann beginnt der erste Bundestags-Untersuchungsausschuss der neuen Legislaturperiode mit der Aufarbeitung der Spionageaffäre um die globalen Schnüffelaktionen des US-Geheimdienstes NSA. Und da könnte der BND um Schindler und dessen Kontakte zu dem befreundeten US-Dienst eines der zentralen Themen sein.

Doch zunächst feiert der BND mit dem Einzug in die Nordbebauung des Neubau-Komplexes einen „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zum geplanten Abschluss des Gesamtumzugs 2016. In dem Gebäudeteil, in das jetzt Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Abteilungen des Geheimdienstes einziehen, ist die Technik- und Logistikzentrale untergebracht. Hier gibt es unter anderem ein Blockheizkraftwerk, das die geheime Agenten-Stadt zur Not für bis zu zwei Wochen autark machen soll, falls die öffentliche Stromversorgung ausfällt.

Schon die reinen Baudaten des Gesamtprojekts lesen sich wie Superlative: es ist der größte Bau der Bundesrepublik nach dem Krieg - und der geheimste. 5200 Räume sind auf dem früheren Exerzierplatz an der Chausseestraße entstanden, auf dem zu DDR-Zeiten das „Stadion der Weltjugend“ stand.

Gesamtgeschossfläche: etwa 35 Fußballfelder. Länge 283, Breite 148 Meter, 9 Stockwerke. Circa 5200 Räume, davon 3300 Büros. Die speziell sicherheitsüberprüften Bauarbeiter verbauten seit dem ersten Spatenstich am 19. Oktober 2006 rund 135.000 Kubikmeter Beton und 20.000 Tonnen Stahl, 14.000 Fenster und 12.000 Türen wurden eingesetzt. Dazu kommen für die schnelle Datenverarbeitung 20.000 Kilometer Lichtwellenleiter.

Außergewöhnlich sind auch die Pannen, Verzögerungen und die gestiegenen Kosten, die mit dem Mega-Projekt in den vergangenen Jahren verbunden waren. Ursprünglich waren die Kosten - zuständig ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), nicht der BND selbst - auf 730 Millionen Euro geschätzt worden. Geplanter Einzugstermin: 2013. Doch Pfusch am Bau, Umplanungen und Streit mit Firmen machten das Projekt teurer, es dauerte immer länger.

Mittlerweile geht das BBR davon aus, dass der Kostenrahmen von 912,4 Millionen Euro gehalten wird und das Hauptgebäude im kommenden Jahr fertiggestellt ist. Nach früheren Angaben von BND-Präsident Schindler wird inklusive des Umzugs mit Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für den Standort Berlin gerechnet.

Mitte 2011 gab es ziemlichen Wirbel, als vertrauliche Pläne über die Nordbebauung verschwanden - den Bereich, in den jetzt die ersten Mitarbeiter einziehen. Offenbar gab es ein Sicherheitsleck bei den beteiligten Firmen. Der BND erklärte damals, es sei kein wirklich brisantes Material in unbefugte Hände gelangt.

Mit dem neuen Standort steht der Auslandsgeheimdienst vor einem Spagat. Einerseits wollen die Verantwortlichen etwa mit einem öffentlich zugänglichen Besucherzentrum soviel Transparenz wie bisher noch nie in der Geschichte des Dienstes demonstrieren. Andererseits müssen die sensiblen, streng geheimen Bereiche strikt abgeschirmt werden. Das gilt gerade angesichts der durch den früheren Mitarbeiter des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) und Informanten Edward Snowden bekannt gewordenen Spionage gegen Kanzlerin Angela Merkel und andere Mitglieder der Bundesregierung.

Ein Sicherheitsproblem konnte in der Zwischenzeit gelöst werden, wird im BND bestätigt. So hatten Experten des Dienstes befürchtet, gegnerische Agenten könnten sich bei einem Feueralarm Zugang zum Gebäudekomplex verschaffen. Der „Spiegel“ machte kürzlich den Kompromiss öffentlich: Eine BND-Eskorte soll die Feuerwehrleute demnach bei einem Brand durch das Gebäude begleiten und beaufsichtigen.

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