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Deutschland / Welt Bundespräsidentenwahl: Wulff glaubt nicht an sicheren Sieg
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bundespräsidentenwahl: Wulff glaubt nicht an sicheren Sieg
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08:11 06.06.2010
Angela Merkel und Christian Wulff Quelle: dpa
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Sein Gegenkandidat Joachim Gauck (parteilos) mahnte, das höchste Staatsamt solle „keine Beute von Parteien sein“.

Sicher werde er erst sein können, „wenn die Mehrheit verkündet ist“, sagte Wulff der „BamS“. Auch im Fall eines Wahlsiegs wäre dies nach Wulffs Aussage nicht das wichtigste politische Ereignis seines Lebens. Für ihn bleibe „die deutsche Einheit das größte politische Ereignis in meinem Leben“, sagte der derzeitige niedersächsische Ministerpräsident. Ein guter Bundespräsident muss nach Ansicht Wulffs überparteilich und bürgernah sein - „und zuhören können“.

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Der bisherige Bundespräsident Horst Köhler war nach sechsjähriger Amtszeit Anfang der vergangenen Woche überraschend zurückgetreten. Die Regierungskoalition suchte daraufhin fieberhaft nach einem geeigneten Nachfolger. Nachdem zunächst Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Favoritin gehandelt worden war, präsentierten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer schließlich Wulff als ihren Kandidaten.

Gauck, der von SPD und Grünen als Kandidat nominiert wurde, sagte der „Bild am Sonntag“: „Es geht in dem Amt, für das ich kandidiere, darum, Mut zu machen und zu versöhnen.“ Deshalb sei es „gut, wenn der Bundespräsident mitten aus dem Volk kommt“.

Gauck trifft auch im schwarz-gelben Regierungslager auf Sympathien. Vor allem in der FDP wurden am Wochenende vermehrt Bedenken gegen Wulff laut. Es gebe „keinen Blankoscheck“ für ihn, sagte der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow der „Welt am Sonntag“.

Selbst Unionspolitiker äußerten Sympathien für Gauck. Der langjährige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm stellte im „Spiegel“ die Frage, warum es nicht möglich gewesen sei, „sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen“. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) würdigte Gauck in der „BamS“ als „seriösen und intelligenten Mann mit großen Verdiensten“. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hob indes im „Hamburger Abendblatt“ hervor, er zweifle nicht daran, „dass CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung geschlossen für Christian Wulff stimmen“.

Gauck sagte der „Bild“-Zeitung, er hätte sich auch von Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten nominieren lassen. „Ich hätte mich gefreut und hätte Ja gesagt.“

Die Linke will Anfang der Woche einen eigenen Kandidaten vorstellen. Der Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst sagte in der „Thüringer Allgemeinen“, mit höchster Wahrscheinlichkeit werde eine Frau nominiert. Die Parlamentsgeschäftsführerin der Linken im Bundestag, Dagmar Enkelmann, sprach sich hingegen in der „Rheinpfalz am Sonntag“ für einen Verzicht auf einen eigenen Kandidaten aus.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf Merkel in der „Leipziger Volkszeitung“ (Montagsausgabe) vor, sie betreibe eine „Politik ohne Wertegerüst“. Nach Köhlers Rücktritt räche sich nun, dass Merkel „immer nur an sich, an den Erhalt ihrer Machtposition“ denke. Die Kanzlerin müsse „doch mindestens den eigenen Verein zur Besinnung bringen“, fügte Künast mit Blick auf die Wahl des Bundespräsidenten hinzu.

afp

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