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Deutschland / Welt Die Last-Minute-Buchung
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00:15 25.09.2013
Von Jörg Kallmeyer
Foto: Verlierer des Abends: Die FDP.
Verlierer des Abends: Die FDP. Quelle: dpa
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Deutschland hat über Merkels Kette, Peer Steinbrücks Stinkefinger und Haltungsnoten beim TV-Duell diskutiert. Politische Spannung ist etwas anderes, aber der Kanzlerin war es recht. Sie wollte im Schlafwagen durch den Wahlkampf rollen.Und die SPD hatte das Problem, dass sie seit der Kür des Kandidaten nie so recht den Eindruck vermitteln konnte, dass sie wirklich die Machtfrage in Berlin gestellt hat. Eine solche Ausgangslage macht es den Wähler schwer und leicht zu gleich. Noch nie war die Zahl der Unentschlossenen so groß wie dieses Mal – und noch nie fiel die Entscheidung vieler Wähler so spät. Nicht wenige haben sich erst beim Gang ins Wahllokal entschieden.

Das Wahlergebnis ist eine Last-Minute-Buchung für die Reise in die politische Zukunft, mit allen Chancen und Risiken, die eine solche Entscheidung birgt. Die Mehrheit der Deutschen wollte keinen Wechsel an der Spitze. Merkel könnte, wie es nach der Prognose der Meinungsforscher um 18 Uhr aussieht, ihren bisherigen Koalitionspartner verlieren. Das ist tragisch für die FDP, die es in ihrer Regierungszeit nicht geschafft hat, den Deutschen zu erklären, warum sie mitregieren muss. Die Liberalen mögen ihre Führungskrise halbwegs in den Griff bekommen haben, die Sinnfrage aber stellt sich von Wahl zu Wahl neu. Das zermürbt.Die Kanzlerin hat kaum einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie auch mit anderen regieren kann. Jetzt hat sie die Wahl. Und manche in der SPD werden es als Qual empfingen, wieder als Juniorpartner für eine Große Koalition gehandelt zu werden. Ausgeschlossen hat die Kanzlerin nur eine Koalition mit den großen Unbekannten dieser Wahl –  den Eurokritikern von der AfD. Dass sie in dieser Nacht berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in den Bundestag haben können, ist so überraschend allerdings nicht: Wenn die Großen den Eindruck vermitteln, es gehe am Ende um nicht viel, dann profitieren die Kleinen, die am ganz großen Rad drehen wollen.

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