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Deutschland / Welt Rückzug – Aber was kommt dann?
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23:14 03.10.2013
Von Klaus von der Brelie
Bis Ende nächsten Jahres soll die Bundeswehr das Land am Hindukusch verlassen. Quelle: dpa
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Munster

Die deutschen Soldaten in Afghanistan packen ihre Sachen. Bis Ende nächsten Jahres sollen sie das Land am Hindukusch verlassen. So hat es die Nato-Führung für die gesamte Schutztruppe Isaf befohlen. „Bei der Rückführung sind wir im Plan“, sagen übereinstimmend Heeresinspekteur Bruno Kasdorf und der Inspekteur der Streitkräftebasis, Manfred Nielson. Doch auf die Frage, was Bundeswehr und Nato ab 2015 in Afghanistan leisten werden, können der Generalleutnant und der Vizeadmiral derzeit nur vage antworten. Sie wissen nicht, was auf die Truppe zukommt. „Wir warten auf die politischen Entscheidungen“, sagt Kasdorf und gibt unausgesprochen zu erkennen, dass er gern wüsste, ob und wie es in Afghanistan weitergeht.

Nielson, der für die Rückverlegung der Bundeswehr aus Afghanistan verantwortlich ist, deutet im Gespräch mit Journalisten in Munster (Heidekreis) an, dass er seinen Auftrag „mit viel Flexibiliät“ ausführt. Er will unbedingt vermeiden, dass Waffen und Geräte, die jetzt in großen Mengen aus Afghanistan abtransportiert und nach Deutschland gebracht werden, demnächst ein zweites Mal auf die Reise nach Afghanistan geschickt werden. Nicht nur Panzer und Haubitzen zieht die Bundeswehr derzeit vom Hindukusch ab, sie reduziert auch die personelle Stärke – so wie es der Bundestag vorgegeben hat. Aktuell sind noch 4009 deutsche Soldaten am Isaf-Einsatz beteiligt. In Spitzenzeiten waren es zeitweilig fast 6000. Noch in diesem Monat stellt das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus seine Arbeit ein. Ab November sind nahezu alle deutschen Isaf-Soldaten in Masar-i-Scharif stationiert.

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Für die Zeit ab 2015 hat die Bundesregierung der Nato zwischen 600 und 800 Soldaten für eine Isaf-Folgemission angeboten. Sie hat zwar schon einen Namen – „Resolute Support“ –, ist aber noch nicht einmal in Ansätzen strukturiert. Der Grund: Die USA haben noch immer nicht entschieden, ob und in welcher Form sie künftig zur Sicherheit in Afghanistan beitragen wollen. Auch andere Nato-Partner halten sich bisher bedeckt, wenn es um die Frage geht, was sie zum künftigen Engagement beitragen wollen.
Die Bundesregierung will das Thema beim nächsten Treffen der Nato-Verteidigungsminister zur Sprache bringen. Es soll am 22. und 23. Oktober in Brüssel stattfinden. Allerdings ist in Berlin auch zu hören, dass bei dem Meeting noch keine klaren Entscheidungen getroffen werden dürften. Der Meinungsbildungsprozess in Washington sei noch nicht abgeschlossen.

Unterdessen melden sich in Afghanistan immer mehr regionale Politiker mit der Forderung, die Isaf solle länger im Lande bleiben und weiterhin zur Sicherheit beitragen. Auch in Kundus gibt es viele solche Bitten. Denn seit die Bundeswehr dort ihre Zelte abbricht und weniger Präsenz zeigt, häufen sich die Angriffe der Taliban gegen die Polizei und gegen die afghanische Armee. Mehrere Politiker wurden bereits bei Angriffen und Anschlägen der Aufständischen getötet.
Auch in der Provinz Badakschan, wo die Bundeswehr ihr Feldlager in Feisabad bereits komplett geräumt hat, versuchen die Taliban, ihren Einflussbereich wieder auszuweiten.

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