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CDU-Mann in Not: Jens Spahns Morgen der Ernüchterung

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19:55 13.10.2019
Jens Spahn spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union. Quelle: Harald Tittel/dpa
Saarbrücken

Es liegt an der Uhrzeit, sagen manche in der Jungen Union hinterher, einfach zu früh nach einem durchgefeierten Abend. Es liegt am Alter, als 39-Jähriger habe Jens Spahn ja schließlich noch Zeit für seine Karriere, sagen andere. Wie auch immer: Jens Spahn, Gesundheitsminister und in der Union zuletzt als einigermaßen aussichtsreicher Kanzlerkandidat gehandelt, erlebt am Samstag in Saarbrücken einen Morgen der Ernüchterung.

Es ist kurz nach 10 Uhr, als Spahn dort in einer Kongresshalle auf die Bühne tritt. Die Junge Union trifft sich zu ihrer Jahresversammlung, Deutschlandtag nennen sie die Veranstaltung. Eigentlich sind das seine Leute hier, auch auf Druck der JU ist Spahn 2017 Minister geworden.

Videokommentar: „Die Castingshow der Union geht weiter"

Sie wollen übers Klima reden auf dem Deutschlandtag, auf der Bühne stehen Bäume, auf die Rückwand ist ein Wald projiziert, und sie haben sogar einen Greenpeace-Vertreter zur Debatte eingeladen.

Deutschlandtag: Eine Feier für Merz

Aber weil die Umfragewerte schlecht sind, weil die Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer schwächelt, hat die Veranstaltung auch etwas von einem Schaulaufen. Am Vorabend hat die Junge Union Friedrich Merz frenetisch gefeiert, mit Gesängen und Jubelchören, Bierflaschen auf den Tischen. „Mehr Sauerland für Deutschland“ stand auf fernsehwirksamen Plakaten – allerdings vornehmlich in den Reihen der Sauerländer.

„Wenn sie wollen dass ich dabei bin, dann bin ich dabei“, hat Merz gerufen. „Oh, wie ist das schön“, stimmten einige Delegierte an und sangen sich fest – mit Jubelunterbrechung: Merz hatte einen Schluck aus einer Bierflasche genommen. Anschließend stimmte die Junge Union dafür, den nächsten Kanzlerkandidaten in einer Urwahl zu bestimmen.

Friedrich Merz und Tilman Kuban Quelle: Harald Tittel/dpa

Spahn würde so eine Urwahl wohl nicht gewinnen, zumindest nicht bei der Jungen Union. Er grinst zu Beginn, dann spricht er eine halbe Stunde, er bleibt eher nüchtern, der Saal höflich.

Spahn erinnert an seine Einsätze für die Partei. Allein im Thüringen-Wahlkampf sei er 15-mal aufgetreten, das mag eine Spitze gegen Merz sein, dem seine Gegner zu wenig Basiseinsatz vorwerfen.

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Spahn streift die Gesundheitspolitik, wirft den Klimademonstranten von „Extinction Rebellion“ totalitäre Ansätze vor und wundert sich über die Stimmung von Untergang und Panik bei Klimademonstranten von Fridays for Future. Er spricht über die Bedrohung von Juden, schimpft auf „völkische Stammbuchhalter“ und linke Ideologen.

Jens Spahn: Kompromissbereitschaft statt Schärfe

In den vergangenen Jahren hat Spahn oft mit großer Schärfe über Flüchtlingspolitik gesprochen, als Gegenpol zu Kanzlerin Angela Merkel. Er hat dadurch an Bekanntheit gewonnen, seit einer Weile versucht er es mit mehr Konzilianz. Die Schärfe komme nicht überall gut an, heißt es in der CDU. Bei der JU spricht Spahn über die Notwendigkeit von Kompromissen und nun über „Zuwanderung, die wir wollen“ – die von Pflegekräften zum Beispiel.

Und dann kommt er doch zum Zustand der CDU. Es beschäftige ihn, „dass der Schwung weg ist, dass die Umfragen sind, wie sie sind, dass wir uns häufig im Klein-Klein verstricken“, sagt er. Außerdem sacke man von Wahlen zu Wahlen weiter ab. „Es geht nicht darum, es allen recht zu machen, es geht darum, das Richtige zu tun“, sagt Spahn. Und ergänzt: „Wer überzeugt davon ist, wo er steht, hält auch manchen Gegenwind aus.“ Man kann das als Distanzierung von Kramp-Karrenbauer verstehen. Zusammenhalt sei wichtig, sagt Spahn zur Sicherheit auch noch.

Wenn die Oma ins Spiel kommt

Der Applaus bleibt zurückhaltend bis höflich. „Nach dem Rausch kann manchmal schnell der Kater kommen“, so hat Spahn seine Rede begonnen.

Als er endet, ist JU-Chef Tilman Kuban nicht im Raum. Spahn steht verloren auf der Bühne, dann nimmt er Platz. Die Plätze links und rechts neben Spahn sind leer. Ein Delegierter fragt ihn nach der Reform des Wahlrechts.

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„Meine Oma sagt, Spahn ist der Einzige, der die CDU retten kann“, fügt der Delegierte hinzu. „Oohhh“, schallt es höhnisch aus dem Saal zurück.

Dann kommt Markus Söder, mit Defiliermarsch vom Band und lautem Applaus.

Von Daniela Vates/RND

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