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Deutschland / Welt CDU verabschiedet Roland Koch mit Tränen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt CDU verabschiedet Roland Koch mit Tränen
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19:04 12.06.2010
Volker Bouffier (links) und Roland Koch Quelle: dpa
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Vielen Delegierten standen die Tränen in den Augen, als Roland Koch seinen Abschied als Vorsitzender der hessischen CDU nahm. Nach zwölf Jahren ging am Samstag beim Landesparteitag im nordhessischen Willingen eine Ära zu Ende. Koch selbst hielt die Gefühle eher zurück, gab sich ironisch und gelöst bei seiner letzten Rede als Parteichef. Er gehe, „obwohl Sie mich nicht unmittelbar aufgefordert haben“, sagte er den über 320 Unions- Vertretern. „Der Zeitpunkt ist richtig“, bekräftigte der 52-Jährige.

Auch wenn Koch künftig der Politik entsagen will („Politik ist nicht mein Leben“), hielt er doch noch einmal eine politische Rede. Er warnte vor einem Zerschellen des schwarz-gelben Bündnisses in Berlin an der Bundespräsidentenwahl. Für sich selbst bekräftigte er die Freundschaft zur FDP. „Es schadet uns nicht, wenn wir uns sagen, dass wir einander gut finden.“

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Pointiert fiel auch Kochs Abschied von seinen Mitstreitern aus. Warm dankte er langjährigen Weggefährten wie Innenminister Volker Bouffier, Finanzminister Karlheinz Weimar oder seinem Sprecher und Mitdenker Dirk Metz. „Christean Wagner ist nicht in allen inhaltlichen Fragen die Eins-zu-eins-Kopie von mir“, sagte Koch über den konservativen Fraktionschef, dankte ihm aber für die Zusammenarbeit.

An Bundesfamilienministerin Kristina Schröder lobte Koch, dass sie „aus dem Stand heraus eine tolle Arbeit macht“. Allerdings fügte er hinzu, dass er lieber weiterhin den zurückgetretenen Franz Josef Jung im Kabinett gesehen hätte. Schröder blickte starr vor sich hin. Der Ausfall zeige, dass sie eben nicht zu Kochs Kreis in der Hessen-CDU gehöre, meinte ein Delegierter.

Bouffier erwähnte die politisch derzeit einflussreichste hessische Politikerin danach aber anerkennend. Er will ihr nach eigenen Aussagen noch eine herausgehobene Rolle im Landesverband geben. Der Bewerbungsrede des bisherigen Innenministers und Parteivizes war die Last der künftigen Aufgaben anzumerken, vielleicht fiel sie deshalb sehr lang und grundsätzlich aus. Bei aller Erneuerung sicherte Bouffier seinen Parteifreunden vor allem Kontinuität zu.

Erst zum Schluss wurde Bouffier wieder der lockere Parteitagsredner, als der er bekannt ist. „Wer immer verbiestert durchs Leben geht, (...) ist nie und nimmer ein glaubwürdiger und mitreißender Botschafter für unsere Zukunft“, sagte er und fing damit sein Publikum wieder ein. Mit 96 Prozent wählte ihn der Parteitag zum neuen Vorsitzenden. Trotzdem beginnt für Bouffier nun eine schwierige Wartezeit: Erst in zweieinhalb Monaten, Ende August, will Koch auch als Ministerpräsident ausscheiden. Die Regierungsumbildung wird solange in der Schwebe sein.

Zum Ende seiner Rede gewährte Koch doch noch einen Einblick in seine Gefühlswelt. Der Kopf habe klar analysiert, dass der Rückzug aus der Politik richtig sei; auch das Bauchgefühl stimme zu. „Das Herz sagt: Es ist eigentlich ganz schön hier“, sagte er seinen Parteifreunden. Und die dankten es ihm gerührt mit einem Applaus, der gar nicht enden wollte.

„Es gibt viele junge Parteimitglieder, die haben nie einen anderen Vorsitzenden als Koch erlebt“, meinte Ingmar Jung, Chef der Jungen Union (JU) in Hessen. So gelöst Koch sich gab - der wirklich harte und bewegende Moment für ihn werde kommen, wenn er die Staatskanzlei verlässt, sagte ein Parteifreund.

dpa