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Deutschland / Welt Carlos Vecchio gerät als venezolanischer Botschafter zwischen die Fronten
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19:03 05.02.2019
Carlos Vecchio ist venezolanischer Botschafter in den USA. Quelle: Giorgio Viera/imago
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Washington

Der Mann im feinen blauen Tuch hat seinen Vortrag noch nicht begonnen, als eine Demonstrantin mit einem Transparent auf die Bühne stürmt. „Warum agieren Sie als Trumps Marionette?“, ruft sie, und: „Kein Coup in Venezuela!“ Die Zuhörer im Veranstaltungssaal einer Washingtoner Denkfabrik sind peinlich berührt, doch Carlos Vecchio lächelt ruhig. „Willkommen in der Demokratie!“, antwortet er vom Rednerpult: „In meiner Heimat würde ich für einen solchen Protest festgenommen.“

Widerspruch ist der 49-jährige Anwalt gewohnt. Schließlich hat er vor dem Gang ins Exil in Venezuela kommissarisch die gemäßigt sozialdemokratische Oppositionspartei Volundad Popular geleitet. Und der öffentliche Auftritt bereitet dem Aktivisten, der einst in Caracas und an der US-Eliteuniversität Harvard studierte, erkennbar keine Probleme. Seit ein paar Tagen hat er freilich einen äußerst schwierigen Job: Vecchio ist venezolanischer Botschafter in den USA. Doch in das Botschaftsgebäude kommt er nicht hinein. Und in seine Heimat reisen kann er auch nicht. Dort wartet eine Anklage wegen Anstiftung zum Aufruhr auf ihn.

„Ich vertrete das neue und freie Venezuela

„Ich vertrete das neue und freie Venezuela“, stellt sich Vecchio seinen Zuhörern selbstgewusst vor. Sein Englisch hat nur einen leichten spanischen Akzent. Seit mehr als zehn Jahren lebt er mit seiner Familie in Miami. Nun hat ihn der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó zum US-Botschafter berufen und mit dem Aufbau einer diplomatischen Vertretung beauftragt. Die Lage ist völkerrechtlich höchst kompliziert. Zwar gibt es im Washingtoner Stadtteil Georgetown eine venezolanische Botschaft. Deren Leitung aber ist dem amtierenden Präsidenten Nicolas Maduro verpflichtet, der von den USA nicht anerkannt wird.

Aus Protest gegen die Politik der Trump-Regierung, die ihn mit harten Sanktionen und massivem politischen Druck aus dem Amt befördern will, hat Maduro einen Teil der Diplomaten aus Washington abgezogen. Die Botschaft ist verriegelt. „Bis auf weiteres gibt es keinen Konsulardienst“, weist ein Schild mögliche Besucher an dem roten Backsteinbau ab. Carlos Vecchio, der Gesandte des von den USA und nun auch sieben EU-Ländern anerkannten Gegen-Präsidenten Guaidó, ist hingegen höchst aktiv. Er hat Büroräume im Stadtzentrum angemietet und ist einer der begehrtesten politischen Akteure in Washington. Kürzlich hat er Vizepräsident Mike Pence getroffen, am heutigen amerikanischen Abend wird er als Ehrengast der State-of-the-Union-Ansprache von Donald Trump im Kongress beiwohnen.

Vecchio befürchtet Leiden des Volkes unter Maduro

So diplomatisch geschliffen Vecchios Auftritt wirkt, so unerbittlich ist er bei der Beurteilung Maduros. Der Diktator habe die Macht an sich gerissen, sagt er: „Es gibt keinen Weg für falsche Verhandlungen.“ Wenn der Präsident im Amt bleibe, werde das Volk furchtbar leiden: „Wir müssen das jetzt stoppen.“ Bei einem Machtwechsel, versichert er, werde es „so schnell wie möglich freie und transparente Wahlen geben“.

Bis dahin besteht Vecchios Aufgabe darin, möglichst viel politische Unterstützung für einen Wechsel zu organisieren und sicherzustellen, dass die ausländischen venezolanischen Besitztümer nicht vom Maduro-Regime vereinnahmt werden. Dabei geht es vor allem um den im texanischen Houston ansässige Ölkonzern Citgo, aber auch um das Botschaftsgebäude in Washington. Die Hälfte der 20 derzeitigen Diplomaten wolle nicht in ihre Heimat zurückkehren, berichtet Vecchio. Mit ihnen zusammen will er die neue diplomatische Vertretung seines Landes aufbauen.

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Von Karl Doemens/RND

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