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Deutschland / Welt Chancen für Kandidat Gauck steigen weiter
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18:34 07.06.2010
Joachim Gauck Quelle: ap
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In der Linken mehren sich die Stimmen, die eine Unterstützung Gaucks in einem zweiten oder dritten Wahlgang befürworten. Die Vorsitzenden der Linkspartei wollen aber zunächst eine eigene Kandidatin aufstellen.

Gauck zeigte sich von der Sympathiewelle überrascht. Auch in Union und FDP habe er „viele Freunde und viele Kontakte“, sagte er. Das SPD-Präsidium nominierte den früheren Leiter der Stasi-Akten-Behörde einstimmig für die Wahl zum Bundespräsidenten, im 45-köpfigen Parteivorstand gab es nur eine Enthaltung. Parteirat und Vorstand der Grünen votierten geschlossen für Gauck.

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Die Bundesversammlung wählt am 30. Juni den neuen Bundespräsidenten. Union und FDP haben den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) nominiert und können auf eine Mehrheit von mindestens 21 Stimmen bauen, die allerdings kräftig ins Wanken geraten ist. Die Landesverbände der FDP fühlen sich zu wenig in die Kandidatensuche eingebunden. Einige Liberale sind enttäuscht, weil es zu keinem überparteilichen Kandidaten gekommen ist.

„Es könnte sich da ein Ventil auftun“, warnte der baden- württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Der Thüringer FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte der Nachrichtenagentur dpa, vor allem in den Ostverbänden gebe es „erkennbare Sympathie“ für Gauck. Dass sich die FDP nicht mit fliegenden Fahnen hinter Wulff stelle, sei auch dem Klima in der Koalition geschuldet.

Der Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, kritisierte die Kandidatensuche ohne Einbindung der Landesparteien. Er schloss nicht aus, dass es Abweichler in seiner Partei geben wird. „Es ist eine geheime Wahl, daher ist so etwas denkbar.“

Die FDP-Führung versucht unterdessen händeringend, die Reihen zu schließen. „Ich bin sicher, die FDP wird eine einheitliche Linie für Christian Wulff vertreten“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner in der ZDF-Sendung „Berlin Direkt.“ Die aus Halle stammende FDP-Vizevorsitzende Cornelia Pieper bezeichnete Gauck zwar als einen „absolut ebenbürtigen und angemessenen“ Bewerber. Am Ende würden die FDP-Mitglieder der Bundesversammlung aber dem Koalitionskandidaten Wulff ihre Stimme geben.

Die Linken-Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst wollen der Bundestagsfraktion und Landesvertretern an diesem Dienstag eine Frau für das Präsidentenamt vorschlagen. Offen ist noch, ob die Linke in einem zweiten oder dritten Wahlgang Gauck unterstützen wird, falls Wulff nicht auf Anhieb gewählt wird. Neben dem früheren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sprach sich auch der Fraktionschef der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, für ein solches Vorgehen aus. Lötzsch legte sich nicht fest.

dpa

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