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Deutschland / Welt „Chemie-Ali“ wegen Massakers von Halabdscha zum Tode verurteilt
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Chemie-Ali“ wegen Massakers von Halabdscha zum Tode verurteilt
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13:59 17.01.2010
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Der als „Chemie-Ali“ bekannte Cousin des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein ist zum vierten Mal zum Tode verurteilt worden. Die Todesstrafe gegen Ali Hassan el Madschid wurde mit seiner Verantwortung für das Massaker im kurdischen Halabdscha begründet, wie das Staatsfernsehen am Sonntag berichtete. In Halabdscha waren bei einem Giftgasangriff im Jahr 1988 rund 5000 Menschen ums Leben gekommen.

Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Norden Iraks zeigte sich zufrieden über das Todesurteil. „Das ist ein Sieg für alle Iraker, die Menschheit und die Kurden von Halabdscha“, erklärte der Regionalminister für Märtyrer und Vertriebene, Madschid Hamed Amin. Das Massaker von Halabdscha betreffe nicht nur die Kurden, sondern die ganze Welt.

Kurz vor dem Ende des Kriegs zwischen dem Irak und dem Iran hatten kurdische Untergrundkämpfer das Dorf Halabdscha unter ihre Kontrolle gebracht. Am 16. März 1988 bombardierte die irakische Luftwaffe mehrere Sorten Giftgas ab, darunter Senfgas und das Nervengas Sarin.

„Chemie-Ali“ war bereits mehrfach wegen Verbrechen aus der Amtszeit Saddam Husseins schuldig gesprochen worden. Ihm wurde die Beteiligung an der Unterdrückung der kurdischen Minderheit und von Schiiten nachgewiesen. Schon drei Mal wurde er zum Tode verurteilt - erstmals im Juni 2007, dann im Dezember 2008 und nochmals im März 2009. Er zählte während der Amtszeit von Saddam Hussein, der Ende 2006 hingerichtet wurde, zu den gefürchtetsten Vertretern der Regierung. 1996 ließ er seine eigenen Neffen Hussein Kamel und Saddam Kamel hinrichten, die sich vorübergehend nach Jordanien abgesetzt hatten.

Madschid wurde laut Gerichtsakten 1941 geboren, nach eigenen Angaben 1944. Er stammt ebenso wie Saddam Hussein aus Tikrit. Sein Vorgehen gegen die Kurden war besonders grausam, so dass er auch den Beinamen „Schlächter Kurdistans“ erhielt. Im Mai 1987 ordnete er einen Vernichtungsfeldzug in den Kurdengebieten an, bei dem große Bevölkerungsgruppen Richtung Jordanien und Saudi-Arabien vertrieben wurden. Als die US-Invasion im Jahr 2003 begann, war Madschid eine Zeit lang Kommandeur der südlichen Teile Iraks. Am 21. August 2003 wurde er gefasst.

afp