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Deutschland / Welt Clinton fordert Kampf gegen Korruption
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16:22 09.11.2009
„Wir müssen eine noch stärkere Partnerschaft aufbauen, um die Mauern des 21. Jahrhunderts niederzureißen“: Hillary Clinton fordert mehr Engagement von Seiten der Afghanen.
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Karsai müsse die Korruption in seinem Land „ausmerzen“, sagte Clinton am Montag nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin. Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow empfahl den USA einen vollständigen Truppenrückzug aus Afghanistan.

Voraussetzung für jedes Engagement Deutschlands und der USA zur Stabilisierung des Landes sei ein „noch größeres Engagement“ von afghanischer Seite im Kampf gegen die Korruption, sagte Clinton. Sie war anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls nach Berlin gereist.

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Karsai hatte zuvor dem US-Fernsehsender PBS in einem Interview versichert, dass es in der neuen afghanischen Regierung „keinen Platz“ für korrupte Mitarbeiter geben werde. Zugleich wies er Korruptionsvorwürfe gegen seinen Bruder Ahmed Wali Karsai zurück. Er habe die USA und die Europäer nach Beweisen gefragt und nie eine Antwort bekommen, sagte Karsai. Der Westen droht Karsai mit dem Entzug der Unterstützung, sollte er in seiner zweiten Amtszeit die grassierende Korruption nicht in den Griff bekommen.

Bereits am Sonntag hatte Clinton bei einer Rede in Berlin die Europäer zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den USA im Kampf gegen radikale Islamisten aufgerufen. „Wir müssen eine noch stärkere Partnerschaft aufbauen, um die Mauern des 21. Jahrhunderts niederzureißen“, sagte Clinton. In einer Anspielung an die radikalislamischen Taliban sagte sie: „Wir müssen denen entgegentreten, die sich hinter diesen Mauern verstecken:
Selbstmordattentäter und diejenigen, die Mädchen töten und verstümmeln, nur weil diese in die Schule gehen wollen.“

Das transatlantische Bündnis zwischen Europa und den USA müsse als „Eckpunkt einer weltweiten Zusammenarbeit“ erneuert werden. Die Feiern zum Fall der Berliner Mauer dürften nicht nur an vergangene Taten erinnern, sondern müssten für einen Aufruf zu neuen Taten genutzt werden. Es gelte die Freiheit gegen neue Gefahren zu verteidigen, sagte Clinton. „Wir können es nicht zulassen, dass die Unterdrückung aus Gründen der Religion an die Stelle der kommunistischen Unterdrückung tritt.“

Gorbatschow sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, Afghanistan brauche keine weiteren Soldaten. Vielmehr müssten die USA den Dialog mit Kabul intensivieren. In Gorbatschows Amtszeit von 1985 bis 1991 fiel der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan im Jahr 1989. Auch er habe damals über eine Truppenverstärkung am Hindukusch nachgedacht, sagte Gorbatschow. „Wir haben darüber diskutiert, das ist sehr lange her. Aber wir haben uns dagegen entschieden.“ Die Erfahrungen der Sowjetunion sollten berücksichtigt werden, sagte Gorbatschow. Die US-Regierung berät derzeit in Washington mit der Militärführung über eine Aufstockung ihrer Truppen in Afghanistan.

afp