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Deutschland / Welt Clinton verschlampte angeblich Code für Atomraketen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Clinton verschlampte angeblich Code für Atomraketen
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17:12 22.10.2010
Bill Clinton hat während seiner Amtszeit als US-Präsident angeblich den nuklearen Code verloren.
Bill Clinton hat während seiner Amtszeit als US-Präsident angeblich den nuklearen Code verloren. Quelle: dpa
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Das ist schon filmreif: Bill Clinton hat während seiner Amtszeit als US-Präsident den nuklearen Code verloren, der zum Abschuss nuklearer Raketen erforderlich ist. Das berichtet jedenfalls der ehemalige Generalstabschef Hugh Skelton in seinen jüngst erschienenen Memoiren.

Demnach war die Plastikkarte mit dem Zahlensystem monatelang verschwunden, und Mitarbeiter versuchten anscheinend zunächst, die Sache mit faulen Ausreden zu vertuschen, heißt es nach Medienberichten in Sheltons Buch „Without Hesitation: The Odyssey of an American Warrior“ (übersetzt etwa: „Ohne Zögern: Die Odyssee eines amerikanischen Kriegers“).

Die Sache sei erst aufgeflogen, als die Karte - wie dies stets in regelmäßigen Abständen erfolgt - durch eine neue ersetzt werden sollte, schildert der pensionierte General. Da habe dann ein Mitarbeiter des Präsidenten schließlich zugegeben, dass die alte Karte verlegt worden sei.

Wann immer ein Präsident reist, ist ein Offizier mit einem gepanzerten schwarzen Koffer in seiner Nähe. Dieser Koffer, „Football“ (Fußball) genannt, enthält Anweisungen und ein zweites Codesystem zum Start von Atomwaffen. Zum Öffnen ist die als „Biscuit“ (Keks) bekannte Karte nötig - wie jene, die laut Shelton irgendwann im Jahr 2000 verloren ging.

Der pensionierte General beschuldigt aber Clinton nicht, die Karte persönlich verschludert zu haben - es sei entgegen allgemeiner Annahme meistens so, dass ein Mitarbeiter die Karte bei sich trage, zitiert der Sender CNN Shelton. Aber dieser Mitarbeiter weiche dann nicht von der Seite des Präsidenten, „er klebt an ihm“.

Laut CNN ist es Sitte, dass Pentagon-Vertreter sich einmal pro Monat vergewissern, dass der Präsident im Besitz der richtigen Codes ist. Mindestens in zwei Fällen, so schreibt Shelton, habe ein Mitarbeiter des Weißes Hauses dem „Kontrolleur“ gesagt, Clinton sei in einer Konferenz und könne nicht gestört werden. Zugleich habe er aber versichert, dass der Präsident die Karte bei sich trage.

Dann, als die Zeit zum Auswechseln der Codes gekommen sei, „sagte der Mitarbeiter des Präsidenten aber, dass weder er noch der Präsident die Codes haben - sie waren total verschwunden. (...) Das war ein dickes Ding, ein gigantische Ding“, zitieren Medien Shelton weiter.

Und vielleicht passierte das Missgeschick in der Clinton-Ära sogar mehr als einmal. So beschrieb ein pensionierter Luftwaffen-Oberstleutnant, Robert Patterson, bereits vor Jahren in einem Buch, wie ein schusseliger Clinton einmal verzweifelt den „Keks“ gesucht habe. „Er dachte, er hat ihn im Obergeschoss“, schilderte Patterson, der früher selbst einmal für den Präsidenten den „Football“ trug. Man habe überall gesucht, dann habe Clinton eingeräumt, dass er die Codes wohl verlegt habe.

Aber Clinton kann sich trösten: Treffen frühere Berichte zu, befindet er sich mit seiner Vergesslichkeit in guter Gesellschaft. Demnach soll sich nämlich auch einer seiner Vorgänger, Jimmy Carter, einmal vom „Keks“ getrennt haben: Wie es heißt, steckte die Karte in der Tasche einer Hose, die in die Reinigung gegeben worden war.

dpa