Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Die Bratwurstrepublik
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die Bratwurstrepublik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:20 21.09.2013
Foto: Gerüchten zufolge ließ er sich sogar an der Bratwurst coachen, bevor er ins Blitzlicht der Fotografen ging: der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Gerüchten zufolge ließ er sich sogar an der Bratwurst coachen, bevor er ins Blitzlicht der Fotografen ging: der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

„Wenn Politikerinnen zu aggressiv zubeißen, weckt das bei Männern Kastrationsängste.“ Mit Aussagen wie dieser mischt der politische Journalist, Blogger und Bratwurstexperte Constantin Alexander derzeit den Wahlkampf auf. Denn der Biss in die Wurst kann auch daneben gehen. Vor allem wenn die Fotografen nur darauf warten, dass das heiße Fett auf dem Oberhemd landet. Genau diese Bilder hat Alexander in seinem Blog „People biting into Bratwurst“ gesammelt und ist damit derzeit ein gefragter Experte, wenn es um politische Symbolik und Volkstümelei im Wahlkampf geht. Denn grundsätzlich gilt: Würdevolles Bratwurstessen ist nahezu unmöglich. „Die Wurst ist heiß und fettig. Und es gibt etliche Fehler, die man dabei machen kann“, sagt Alexander.

Heiß und fettig: Politiker lassen sich im Wahlkampf immer wieder von Fotografen dabei ablichten, wie sie in eine Bratwurst beißen. Das soll Volksnähe beweisen. Der Journalist, Blogger und Bratwurstexperte Constantin Alexander kommt zu dem Schluss: Würdevolles Bratwurstessen ist nahezu unmöglich.

Auch die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) musste das erst lernen. „Mittlerweile wird Merkel aber immer besser an der Wurst“, so die Beobachtung von Alexander, dessen Recherchen in Bildarchiven ergeben haben, dass sich bisher kaum ein Politiker zu schade war, die Bratwurst als Symbol von Volksnähe und Bodenständigkeit zu nutzen. Vorteil für die (noch) amtierende Regierung: „Am Kabinettstisch sitzt nicht ein Vegetarier“, hat Alexander recherchiert.

Unter diesem Gesichtspunkt passte auch der im Mai 2012 entlassene damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht an einen Tisch mit den regierenden Bratwurstliebhabern. Denn Röttgen weigerte sich im NRW-Landtagswahlkampf die Sache mit der Wurst bis zum Ende durchzuziehen. Ein entscheidender Fehler, meint Alexander. „Das wirkt arrogant und überheblich.“ Ob damit das desaströse Abschneiden der CDU zu erklären ist, wäre Spekulation. „Aber auch Bilder sind wichtig für die Meinungsbildung.“ Die SPD dagegen warb auf Plakaten mit dem Slogan „Currywurst ist SPD“. Mit Erfolg.

Die Verweigerung ist nicht das einzige No-Go am Grill. „Man sollte zum Beispiel immer darauf achten, eine Serviette unter das Brötchen zu legen, keinen zu scharfen Senf benutzen und vorher Pusten.“

Der Journalist und Bratwurstexperte Constantin Alexander betreibt den Blog „People biting into Bratwurst“. Quelle: Handout

Über Gerhard Schröder (SPD) hält sich laut Alexander übrigens das Gerücht, dass der ehemalige Bundeskanzler sich sogar an der Bratwurst coachen ließ. Auch wenn die SPD dieses bis heute nicht offiziell bestätigt hat, so lässt sich vermuten: Die Bratwurst-Frage ist durchaus Thema für die Politik.

Problematisch wird es für Politiker allerdings immer dann, wenn sie einen eher bildungsbürgerlichen Hintergrund haben und eben nicht mit der Bratwurst in der Hand groß geworden sind, meint Alexander. Das habe Ausrutscher zur Folge wie das Bild von Edmund Stoiber (CSU), der das Wurstbrötchen mit abgespreiztem kleinen Finger zum Mund führt. „Ein Bild wie beim Flötespielen.“

Und so gibt es nicht nur politisch große Unterschiede zwischen den Parteien, sondern auch beim beherzten Bratwurstbiss. „Angela Merkel hat sich wie in einer Casting-Show immer besser angepasst. Leider ohne große Leidenschaft“, meint Alexander. Peer Steinbrück (SPD) hingegen bleibe auch an der Wurst widerspenstig. Kein Wunder, dass der amtierende Kanzlerkandidat es Alexander von allen Politikern bisher am schwersten gemacht hat. „Von Steinbrück habe ich bisher nur ein Bild mit Currywurst gefunden.“

Nora Lysk

Deutschland / Welt Kritik an Familienpolitik der Koalition - Forscher fordern Kita-Ausbau und Elterngeld
20.09.2013
Deutschland / Welt Besserer Schutz vor Verbraucher-Abzocke - Gesetzgeber bremst Inkassounternehmen
20.09.2013