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Deutschland / Welt Das Duell beginnt
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17:53 04.04.2012
Von Stefan Koch
Mitt Romney will ins Weiße Haus einziehen. Quelle: dpa
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Washington

Diesen Angriff hatte sich Mitt Romney schon lange gewünscht. Am Dienstagabend war es dann endlich soweit: Barack Obama nutzte einen Besuch bei amerikanischen Zeitungsverlegern in Washington, um den Favoriten der Republikaner medienwirksam ins Visier zu nehmen. Der Präsident warf dem früheren Gouverneur von Massachusetts Sozialdarwinismus vor und sprach von einem trojanischen Pferd: Mit Romney an der Spitze würde die Gesellschaft der Vereinigten Staaten völlig auseinanderbrechen. Die Vorwürfe, mit denen Obama eigentlich seine demokratischen Anhänger mobilisieren will, dürften die Kandidatensuche der Republikaner kräftig befeuern.
 
Geht es nach dem Geschmack der Herausforderer, können Obamas Attacken gar nicht scharf genug sein: "Es wird doch höchste Zeit, dass wir das gesamte Land für den Wahlkampf interessieren", sagt Bill Wilson, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter im Romney-Team. In den vergangenen Wochen hatte es zu Wilsons Aufgaben gehört, direkt in der Hauptstadt die Werbetrommel zu rühren, um seine Parteifreunde für die Vorwahlen zu begeistern. Der Fünfzigjährige hatte zwei Dutzend Studenten angeleitet, um möglichst viele Republikaner persönlich anzusprechen.
Tatsächlich gehört es zu den Eigentümlichkeiten amerikanischer Wahlkämpfe, dass die scheinbar endlose Befragung der Parteibasis, die in jedem einzelnen Bundesstaat stattfindet, die Wähler nicht ermüdet. Ganz im Gegenteil: Wie in einem guten Sportturnier steigt die Spannung von Wahlgang zu Wahlgang. So auch in der Nacht zum Mittwoch: In den Bundesstaaten Maryland und Wisconsin wurden die Republikaner zur Wahlurne gebeten, ebenso in der Hauptstadt Washington. Dass Romney bei allen drei Abstimmungen gewann, gilt als weiteres Indiz seiner Favoritenrolle.

Als eigentliche Neuigkeit wurde bei den Parteistrategen allerdings in erster Linie der Auftritt des Amtsinhabers Obama gesehen. Oder, wie es der begeisterte Wahlkämpfer Wilson gestern formulierte: "Endlich, das Duell beginnt."

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Von der direkten Auseinandersetzung zwischen Obama und Romney wollen die übrigen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner natürlich noch lange nicht sprechen. Sowohl der erzkatholische Rick Santorum als auch die Außenseiter Ron Paul und Newt Gingrich zeigen sich unbeeindruckt. Und wer sich die Ergebnisse etwas genauer anschaut, muss einräumen, dass Romneys Favoritenrolle weiterhin auf unsicheren Füßen steht. Dass es Romney im liberalen Washington/DC und in Maryland leicht haben würde, war absehbar. Aber bereits in Wisconsin hatte er den hartnäckigen Santorum nur knapp geschlagen. Auch könnte das konservative Texas bald an den früheren Senator aus Pennsylvania fallen.

Das Kalkül der drei - scheinbar - Aussichtslosen ist offensichtlich: Sie setzen darauf, dass Romney die erforderliche Delegiertenzahl von 1144 Stimmen verfehlt und es beim Parteitag in Florida Ende August zur Kampfabstimmung kommt. Streng formal betrachtet ist dieses Szenario durchaus möglich. Doch die führenden Mitglieder der "Grand Old Party" haben Sorge, dass die verbleibende Zeit bis zum 6. November dann zu kurz sein könnte, um den Amtsinhaber zu schlagen. Nicht ohne Grund stärken Altpräsident George Bush Senior und Mitch McConnell, Sprecher der Republikaner im Senat, Romney den Rücken. Ihrer Meinung nach ist es am vernünftigsten, einen eher moderaten Konservativen auf den Schild zu heben, um im November möglichst viele Wechselwähler zu gewinnen. 

Ein interessantes Signal kam auch aus der Riege der schwerreichen Sponsoren: Sheldon Adelson beendete kürzlich seine finanzielle Unterstützung für Gingrich. Was für Politikstrategen längst feststeht, gestand nun auch der Hotel- und Kasinobetreiber aus Las Vegas ein: Der Wahlkämpfer aus Georgia könnte rechnerisch nicht mehr auf die Mehrheit der Delegierten kommen.

Mit diesen Details halten sich offenbar auch die Demokraten nicht länger auf. Bei seinem Auftritt vor den Zeitungsverlegern nahm Obama keine Rücksicht mehr auf diplomatische Gepflogenheiten und präsentierte sich als geübter Wahlkämpfer. Romney, so der Chef des Weißen Hauses, sei doch nur ein Mann des "big oil", ein Vertreter des großen Ölgeschäftes. Dagegen könne er, der Demokrat, die Amerikaner davor bewahren, dass die soziale Gerechtigkeit im Land abgeschafft werde.

Ob diese Strategie aufgeht, muss sich erst noch beweisen: Angesichts ständig steigender Benzinpreise kommen viele Wähler ins Grübeln. Im Land der langen Wege ist es nicht ehrenrührig, sich im Energiegeschäft gut auszukennen.

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