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Deutschland / Welt Daumen runter für Facebook
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22:16 07.02.2019
Mark Zuckerberg bei einer Keynote Quelle: AP
Hannover

Daumen runter für Facebook. So wie bisher kann es nicht weitergehen, jedenfalls nicht in Deutschland.

Jeder Nutzer bleibt natürlich frei darin, Facebook sein gesamtes Leben zu erzählen. Und Facebook bleibt darin frei, die so gewonnenen Daten an Unternehmen zu verkaufen. Untersagt wird Facebook aber die – von den meisten Menschen gar nicht bemerkte – dreiste Sammlung von Nutzerdaten auch auf Internetseiten, die gar nicht zu Facebook gehören. Außerdem darf der Konzern nicht ohne freiwillige Zustimmung die Daten von Facebook, Whatsapp und Instagram zu einem großen Ganzen verquirlen. Freiwillig heißt: Denen, die die Weiterleitung ihrer Daten ablehnen, darf Facebook nicht die Nutzung einzelner Dienste versagen. Das Bundeskartellamt erzwingt, wie sein Chef Andreas Mundt es formuliert, „eine Art innere Entflechtung“.

Facebook aber lenkt nicht ein, sondern lässt es auf einen juristischen Machtkampf ankommen. Jetzt wächst, am Kreuzungspunkt zwischen Kartellrecht und Datenschutz, die Spannung. Wenn die Justiz sich hinter das Kartellamt stellt, könnte Deutschland am Ende weltweit als Trendsetter erscheinen, als Vorkämpfer einer globalen Gegenwehr.

Der Konzern gaukelt Tolles und Schönes vor

Inzwischen stehen hinter Facebook so viele Fragezeichen wie nie zuvor. Schon die Cambridge-Analytica-Affäre kratzte kräftig am Image des Konzerns, dabei enthielt sie gar nichts Neues; wer Geld hinlegte, bekam von Facebook zu allen Zeiten Persönlichkeitsprofile, in denen nicht nur Gewohnheiten oder Vorlieben, sondern sogar Charaktereigenschaften der Facebook-Nutzer beschrieben sind.

Wenn es schlecht läuft für den Datenkonzern, wird der Blick bald nicht mehr an rechtlichen Spezialproblemen hängen bleiben, sondern zum Zentrum des Geschäftsmodells wandern. Immer mehr Erwachsenen geht mittlerweile auf, dass Facebook sie mit einer Herablassung behandelt wie ahnungslose Kinder. Der Konzern gaukelt ihnen etwas Tolles und Kostenloses vor, eine schöne Inszenierung des Egos, ein dauerndes Umgebensein von Lob und Bestätigung. Das alles macht süchtig. Und es vernebelt den Blick auf den Kern des zynischen Spiels, bei dem jeder etwas für die Internetwirtschaft sehr Wertvolles hergeben muss: Daten.

Der Chef von Apple, Tim Cook, hat keine Kinder, aber einen Neffen. Dem riet er, wie er jüngst bei einer Diskussion mit Schülern verriet, er solle sich fernhalten von sozialen Netzwerken. Klarer Fall. So sind sie, die klugen, bewusst lebenden kalifornischen Eliten. Man trinkt Biowein, hält sich an Low-Carb-Diäten. Die eigenen Kinder sollen richtige Bücher lesen, Gedichte lernen, gemeinsam etwas Reales unternehmen, segeln gehen. Für die anderen Kinder, und auch für deren Eltern, kreieren coole Firmen schöne neue Angebote im Internet.

Von Matthias Koch

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