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Deutschland / Welt Der Aufschwung soll kommen, doch viele Firmen bangen
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22:05 03.11.2009
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Für 2010 erwartet EU-Wirtschaftskommissar Joaqin Almunia ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,2 Prozent – ein Spitzenwert in den 27 Staaten der Union. Für die gesamte EU erwartet der Wirtschaftskommissar im kommenden Jahr einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,7 Prozent. Damit korrigierte die Brüsseler Institution ihr Frühjahrgutachten, in dem sie für 2010 noch einen Rückgang der Wirtschaft von 0,1 Prozent erwartet hatte.

Für das laufende Jahr rechnet Almunia damit, dass die Rezession die Wirtschaftskraft Deutschlands um 5 Prozent und die der Union um 4,1 Prozent verringern wird. Die schwerste Rezession machen die baltischen Staaten durch, die 2009 einen Rückgang ihrer Leistungsfähigkeit von fast 17 Prozent erleiden.

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Trotz der insgesamt positiven Entwicklung wird nach Einschätzung der Kommission die Lage auf dem Arbeitsmarkt im nächsten Jahr düster. In Deutschland soll die Arbeitslosenquote von in diesem Jahr 7,7 Prozent auf 9,2 Prozent im Jahr 2010 und dann auf 9,3 Prozent im Jahr darauf steigen. Deutschland müsse sich in den Jahren auf Massenentlassungen gefasst machen, erklärte Almunia. Im EU-Raum soll die Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent 2009 auf 10,3 Prozent 2010 steigen, im Jahr 2011 aber leicht auf 10,2 Prozent sinken. 2010 überschritten zwar fast alle EU-Länder das Defizitkriterium von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes, sagte Almunia. „Aber das ist kein Grund, nachsichtig zu sein.“ In Deutschland soll das Defizit 2010 auf 5 Prozent, in der EU auf 7,5 Prozent anwachsen. Almunia mahnte dennoch „den Abbau der Schuldenberge im kommenden Jahr zu beginnen“.

Auch in der Region Hannover sehen die Unternehmen wieder etwas optimistischer in die Zukunft, wenngleich vielen langsam die Luft auszugehen droht. Laut Hannover-Trend der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung verbesserten sich vor allem die Zukunftserwartungen, gleichzeitig lag die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Quartal mit 216 so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Immer mehr Unternehmen kommen in akute Zahlungsschwierigkeiten. Allein weitere 800 Unternehmen sieht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Großraum als akut insolvenzgefährdet an. „Das zeigt, in welcher Gefahr sich die Region befindet“, sagte Creditreform-Chef Holger Bissel. Die lange Flaute habe die Reserven der Firmen austrocknen lassen, und nun hätten sie Probleme, an Kredite zu akzeptablen Konditionen zu kommen.

von Alexander Dahl und Lars Ruzic