Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Der BND plant den Umzug
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Der BND plant den Umzug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 17.08.2012
Der BND bereitet den Wechsel in seine neue Zentrale in Berlin-Mitte vor. Ab 2014 sollen die ersten Mitarbeiter des BND dort die Arbeit aufnehmen. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Es ist der größte Bau der Bundesrepublik nach dem Krieg - und der geheimste: Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) mitten in Berlin. Es gab Wirbel um verschwundene Baupläne, um Kostensteigerungen wegen einer Panne bei einem Zulieferer und damit verbunden erhebliche Verzögerungen im Zeitplan. Jetzt hat der Präsident des deutschen Auslandsgeheimdienstes, Gerhard Schindler, das gigantische Bauwerk präsentiert. Und Details der Umzugsplanung für insgesamt 4000 Mitarbeiter genannt.

Zurückhaltend, aber nicht ohne Stolz führt Schindler die Besucher durch riesige Atrien, kleine Sachbearbeiterbüros und auch durch die künftige „Nervenzentrale" seines Dienstes: Die Führungs- und Informationszentrale. Der Top-Secret-Bereich liegt zentral im Hauptgebäude, wird rund um die Uhr besetzt sein. Verbindungen zu Agenten in aller Welt werden hier zusammenlaufen. Auf einer Medienwand können Lageberichte gezeigt werden, per Videokonferenz wird man hier Einsätze abstimmen. 62 Nachrichtendienstler sollen hier einmal arbeiten, Plätze für 34 Besucher sind zusätzlich eingeplant.

Anzeige

1300 Räume für je zwei Mitarbeiter gibt es, 17 Quadratmeter groß, dazu noch rund 2000 Einzelbüros mit je 11 Quadratmetern. Musterbüros sind schon fertig: Jeder Mitarbeiter arbeitet mit zwei Telefonen und zwei getrennten Computersystemen - eines für die externe Kommunikation, ein zweites für die gesicherten inneren Abläufe.

Unter dem Gebäudekomplex werden Elektrofahrzeuge das Material und Post verteilen. Pro Tag rechnen die Geheimdienstler mit 1,5 Tonnen Dienstpost, hochgerechnet 50 Millionen Blatt Druckerpapier im Jahr werden angeliefert. Ein Blockheizkraftwerk und Generatoren sollen die Agenten-Stadt in der Hauptstadt für bis zu zwei Wochen autark machen, sollte die öffentliche Versorgung mit Strom ausfallen.

An der Fassade werden zur Zeit die Verkleidungen angebracht, viele Gerüste sind schon abgebaut. Doch der Innenausbau stockt erheblich, weil große Teile der Lüftungsanlage ersetzt werden mussten - es ging um Hygieneprobleme. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte Ende Juni erklärt, dies habe „im Wesentlichen eine Firma zu verantworten, die unzureichende Lüftungsleitungen zur Verfügung gestellt hat".

„Zur Zeit gehen wir von 811 Millionen Euro Baukosten aus", sagt Schindler. „Inklusive der Umzugskosten rechnen wir mit Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für den Standort Berlin." Die Basis-Zahlen der neuen Zentrale: Länge 283, Breite 148 Meter, neun Geschosse. In die Grundfläche passen 35 Fußballfelder. Bisher wurden 135.000 Kubikmeter Beton und 20.000 Tonnen Stahl verbaut. Dazu 20.000 Kilometer Lichtwellenleiter zur schnellen Datenübertragung.

Kai Croppenstedt koordiniert mit einer 50-Mann-Abteilung den Umzug. „In der Dimension ist das, wie eine mittlere Kleinstadt umzuziehen", sagt er. Bis zu 10.000 Kubikmeter Material und 58.000 Möbelstücke müssten ins neue Gebäude gebracht werden, umgerechnet etwa 250 Lkw-Ladungen. Aus Berlin werden etwa 2000 Stellen verlegt, dieselbe Zahl kommt aus Bayern, 110 weitere Posten aus anderen Dienststellen. „Inklusive der Familienangehörigen sind zirka 5000 Personen von Ortswechseln betroffen", sagt Croppenstedt. In Pullach bleibt ein Aufklärungszentrum mit 1000 Arbeitsplätzen.

Das Hauptgebäude soll Mitte 2015 an den BND übergeben werden, der Gesamtumzug ist für 2016 geplant. Doch nicht alle sind begeistert vom Umzug, Vergünstigungen wie über das Bonn-Berlin-Gesetz gibt es nicht. In Bayern gebe „Aufbruchstimmung, aber auch Mitarbeiter, die lieber in Pullach bleiben würden", berichtet Croppenstedt. Aber man müsse nun mal „da arbeiten, wo man gebraucht wird".

"Die größte Herausforderung ist, die Arbeitsfähigkeit des Dienstes während des Umzugs zu erhalten", sagt Croppenstedt. Und weil die Natur eines Geheimdienstes das Geheime ist, soll auch der Umzug weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den Wochenenden passieren. "Wir sorgen dafür, dass der Umzug nicht so richtig bemerkt wird", sagt Schindler - natürlich ohne ins Detail zu gehen.

dpa