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Deutschland / Welt Der Papst betet im Eichsfeld und würdigt Luther
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21:57 23.09.2011
„Ein bewegender Augenblick“: Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider mit Papst Benedikt XVI. Quelle: dpa
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Etzelsbach/Erfurt

Bei Sonnenschein und blauem Himmel stimmten sie immer wieder „Benedetto“-Rufe an oder schwenkten Fahnen. Die Visite in Thüringen, die den Papst auch in die katholische Enklave geführt hat, ist der erste Besuch eines Papstes in den neuen Bundesländern überhaupt.

„Ich habe seit meiner Jugend so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich dachte, ich muss es einmal sehen und mit euch beten“, sagte der Papst. „In zwei gottlosen Diktaturen, die es darauf anlegten, den Menschen ihren angestammten Glauben zu nehmen, waren sich die Eichsfelder gewiss, hier am Gnadenort Etzelsbach eine offene Tür und eine Stätte inneren Friedens zu finden.“ In dem feierlichen Gottesdienst warnte der Papst auch vor falsch verstandener Selbstverwirklichung. Vielmehr führe selbstlose Hingabe zur „wahren Entfaltung des Menschen“.

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Zuvor war der Papst im Erfurter Augustinerkloster, einer Wirkungsstätte des Reformators Martin Luther, mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengekommen. Das Treffen an dem historischen Ort sei für ihn „ein bewegender Augenblick“, sagte Benedikt XVI. – und fand beinahe lobende Worte für Luther: Was den Reformator umgetrieben habe, „war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens war“. Theologie sei für Luther keine akademische Angelegenheit gewesen, sondern „das Ringen um sich selbst, und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott“.

Einen Durchbruch bei ökumenischen Streitfragen brachten die Gespräche und der anschließende Gottesdienst, an dem katholische und evangelische Christen gemeinsam mitwirkten, jedoch nicht. Kirchenpräsident Volker Jung von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau äußerte sich daher enttäuscht: Die erhoffte Ermutigung zur Ökumene sei ausgeblieben. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hingegen sagte, er habe „nicht damit gerechnet, dass Papst Benedikt mit einem Vertrag kommt“. Er sprach von einer „ausgesprochen dichten, geschwisterlichen Atmosphäre“ der Gespräche – und würdigte das Lob für den zu Lebzeiten vom Papst verfemten Luther: „Die faktische Rehabilitation ist im Grunde erfolgt, und die haben wir auch heute durch den Mund des Papstes sehr deutlich gehört.“

Treffen mit Missbrauchsopfern: In Erfurt hat sich der Papst am Freitagabend auch mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und kirchliche Mitarbeiter getroffen. Das teilten der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz mit. Das Treffen habe im Priesterseminar stattgefunden. Anschließend habe der Papst Menschen getroffen, die sich um Missbrauchsopfer kümmern und ihnen helfen.

Simon Benne und Stefan Koch

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