Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Deutsche Grundschüler sind gut im Lesen und Rechnen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Deutsche Grundschüler sind gut im Lesen und Rechnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 11.12.2012
Kein „Sehr gut“: Im internationalen Vergleich haben die Schüler den Anschluss an die Spitzengruppen verloren. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Deutschlands Grundschüler sind international auf einem sehr guten Stand“, sagte Wilfried Bos gestern in Berlin bei Vorstellung der Ergebnisse der IGLU-Lesestudie und der TIMSS-Mathematikstudie. Beim Lesen, Rechnen und in Naturwissenschaften liegen die Grundschüler über dem Mittelwert der OECD-Industrieländer und deutlich über dem EU-Schnitt – wie schon in den Jahren 2006 und 2001. Kinder aus Einwandererfamilien haben in allen drei Lernbereichen ihre Leistungen verbessern können. „Migranten sind die eigentlichen Gewinner der letzten zehn Jahre“, sagte Bos.

Trotz des vergleichsweise guten Abschneidens warnte der Bildungsforscher: „Wir vergeuden Talente.“ So verzeichnen die Studien Mängel sowohl bei den stärksten als auch bei den schwächsten Schülern. In Deutschland fehlt demnach eine gezielte Förderung besonders begabter Kinder. Zugleich hinken rund 20 Prozent der Viertklässler so weit hinterher, dass Probleme an weiterführenden Schulen sehr wahrscheinlich sind. Teils entspricht die Wissenslücke einem ganzen Schuljahr.

Anzeige

Eine wichtige Rolle spielt da die soziale Herkunft: Kinder aus Akademikerfamilien bringen bessere Noten mit nach Hause als Gleichaltrige aus bildungsfernen Haushalten. Doch selbst bei gleichen Leistungen und Fähigkeiten haben Kinder aus Akademikerfamilien eine mehr als dreimal so hohe Chance auf eine Gymnasialempfehlung als Kinder von Facharbeitern. Nicht überall ist der Bildungserfolg so stark abhängig von der sozialen Herkunft: Kanada, Finnland und Hongkong gelingt es sehr gut, soziale Unterschiede auszugleichen und zugleich Spitzenwerte zu erzielen. Hongkong gehört in allen Bereichen zu den Gewinnern – dort sind die Schüler deutschen Zehnjährigen um fast ein halbes Schuljahr voraus.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann zeigte sich dennoch zufrieden: „Die Studien stellen unseren Grundschulen in Deutschland und unseren Lehrern ein gutes Zeugnis aus“, sagte der CDU-Politiker. Es gebe aber noch Bereiche, die verbessert werden könnten. Die Grundschüler müssten noch stärker individuell gefördert werden, sagte Althusmann. „Ernüchternd“ findet dagegen der Grundschullehrerverband VBE die Ergebnisse: „Dass die Leistungen der Grundschüler in den vergangenen zehn Jahren gleich geblieben sind, sollte der Politik zu denken geben“, sagte die VBE-Landesvorsitzende Gitta Franke-Zöllner: „Bei der Förderung der Grundschulen hat die Politik keine Fortschritte gemacht.“

von Maja Heinrich

Dieser Artikel wurde aktualisiert