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Deutschland / Welt Deutscher Elitesoldat stirbt in tödlicher Falle
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Deutscher Elitesoldat stirbt in tödlicher Falle
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00:15 31.05.2013
Von Klaus von der Brelie
Ein deutscher Elitesoldat war Anfang Mai bei einem Feuergefecht getötet worden. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Berlin

Generalinspekteur Volker Wieker hat die Obleute des Verteidigungsausschusses kürzlich in einem abhörsicheren Raum im vierten Stock des Verteidigungsministeriums über das verheerende Ereignis in der Provinz Baghlan informiert. Danach wurden deutsche Spezialkräfte von einer afghanischen Polizeieinheit angefordert, weil sich bewaffnete Aufständische in einem Waldgebiet bei der Ortschaft Zaman Khel aufhielten und von dort auf afghanische Sicherheitskräfte feuerten. Ein gutes Dutzend Elitesoldaten der Bundeswehr machte sich gemeinsam mit 25 afghanischen Elitepolizisten auf den Weg zum Ort des Geschehens. Dort entwickelte sich sofort ein ­Gefecht, das von den Aufständischen eröffnet wurde. Die afghanischen Polizisten, so berichten mehrere Abgeordnete, seien sofort davongerannt, sodass die deutschen KSK-Kämpfer in eine äußerst gefährliche Lage geraten seien. Sie forderten Luftunterstützung an. Zunächst griffen zwei deutsche Kampfhubschrauber ein, später auch amerikanische Helikopter und Kampfflugzeuge.

Nach dem massiven Bombenabwurf auf das Waldstück beruhigte sich die Lage zunächst. Flugzeuge mit Wärmebildkameras fotografierten das Gelände. Bei der Auswertung der Bilder fanden sich keine Hinweise auf noch vorhandene Aufständische. Deshalb begaben sich die deutschen Soldaten und afghanischen Polizisten zur Bombenabwurfstelle. Ihr Auftrag: das Ergebnis des Bombardements dokumentieren. Dabei tappten sie in eine Falle.

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Nach Wiekers Darstellung hatte sich einer der Angreifer unter einer dicken Plastikplane versteckt, sodass er von den Wärmebildkameras nicht wahrgenommen werden konnte. Als sich die deutschen Soldaten auf etwa zehn Meter Entfernung genähert hatten, schoss der Afghane auf den Hauptfeldwebel und seinen Begleiter. Der Hauptfeldwebel war sofort tot, der zweite deutsche Soldat wurde durch einen Schuss in den Helm verwundet. Es entwickelte sich erneut ein heftiges Gefecht, bei dem die Deutschen erneut auf sich allein gestellt waren, denn die Afghanen hatten ein zweites Mal die Flucht ergriffen. Sie hätten das Gefecht aus sicherer Entfernung beobachtet, heißt es angeblich im offiziellen Untersuchungsbericht der Bundeswehr.

Bei der Bundeswehr wird jetzt offen darüber spekuliert, ob die KSK-Kämpfer verraten wurden, ob die Polizeieinheit die Aufständischen über das Vorgehen der Bundeswehr nach einem Gefecht informiert hat. Der Verdacht scheint nicht unbegründet zu sein, denn die KSK-Soldaten bildeten die beteiligten Polizisten aus und standen ihnen in Einsätzen als Berater zur Seite.

Inzwischen wird im deutschen Hauptquartier in Masar-i-Scharif darüber beraten, wie sich die deutschen Soldaten vor vergleichbaren Hinterhalten und Angriffen schützen können. Dabei geht es auch um die Frage, welchen afghanischen Kräften noch vertraut werden kann und wo höchstes Misstrauen geboten ist.