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Deutschland / Welt Deutscher Maulkorb für Iraner
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22:41 31.07.2009
Von Susanne Iden
Quelle: Screenshot
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Seit Freitag macht es, verbreitet vom „Wall Street Journal“, im Internet die Runde. Und sorgt nicht nur bei den Mitarbeitern der bayerischen Knauf Gips, sondern auch bei iranischen Oppositionellen und im Berliner Außenministerium für Irritationen. „Die freie Meinungsäußerung ist ein Menschenrecht“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag. Deshalb nehme das Ministerium die Hinweise, dass ein deutsches Unternehmen dieses Recht im Ausland unterdrücke, „sehr ernst und werden ihnen nachgehen“. Die Knauf-Gruppe gehört zu den führenden Baustoffherstellern weltweit mit 22.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern und ist seit mehreren Jahrzehnten im Iran tätig.

Die Hintergründe des Protestverbots stellen sich, von Knauf bislang unwidersprochen, so dar: Ein 34-jähriger Deutsch-Iraner, der die Geschäfte der Firma in Teheran führt, soll vor zwei Wochen bei einer Demonstration gegen die Wahlfälschung verhaftet worden sein. Die Regierung soll Knauf daraufhin unter Druck gesetzt haben mit der Aufforderung, seinen Mitarbeitern die Teilnahme an Protesten zu untersagen.

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Dieser Vorgabe ist Isabel Knauf, Mitglied der Gründerfamilie sowie des Aufsichtsrats am Standort Iran, offenbar gefolgt. In dem Schreiben an die mehreren Hundert Angestellten betont sie, dass „die Firma strikt unpolitisch ist. Wir möchten unsere Angestellten daran erinnern, dass sie nicht nur ihre private Meinung vertreten, wenn sie politisch aktiv sind, sondern dass ihre Aktionen auch negativ auf die Knauf-Gesellschaften im Iran zurückfallen könnten“.

Freitagnachmittag ruderte die Firma zurück. Geschäftsführer Manfred Grundke teilte mit, „die Hintergründe dieses Schreibens sind uns derzeit nicht im Einzelnen bekannt“. Es sei aber „sicherlich unglücklich formuliert und bedarf einer Korrektur. Selbstverständlich können unsere Mitarbeiter jederzeit an politischen Demonstrationen teilnehmen, ohne dass sie mit arbeitsrechtlichen Sanktionen rechnen müssen“.

Nach Auskunft des Auswärtigen Amtes sowie der deutsch-iranischen Handelskammer in Hamburg ist bislang nicht bekannt, ob die Regierung im Konflikt mit der Opposition vermehrt Druck auch auf ausländische Arbeitgeber im Iran ausübt.