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Deutschland / Welt Deutschland verliert in Afghanistan zunehmend an Ansehen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Deutschland verliert in Afghanistan zunehmend an Ansehen
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16:10 11.01.2010
Die Deutschen und ihr Engagement in Afghanistan werden von der einheimischen Bevölkerung zunehmend skeptischer gesehen. Quelle: ap
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Das Ansehen Deutschlands in Afghanistan hat sich nach dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern spürbar verschlechtert. Dies geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage unter 1554 Afghanen hervor, die von den deutschen Sendeanstalten WDR und ARD in Zusammenarbeit mit dem US-Sender ABC und der britischen BBC im Dezember abgehalten wurde. In den Provinzen des Nordens und Nordostens, wo die Einsatzgebiete der Bundeswehr liegen, sank der Anteil derer, die ein positives Bild von Deutschland haben, demnach um elf Punkte auf 63 Prozent. Der Anteil der Afghanen mit einem negativen Bild von Deutschland stieg um 17 Punkte auf 31 Prozent.

Deutschland wird zunehmend als ganz normaler Teil der Kriegsrealität wahrgenommen“, sagte der stellvertretende WDR-Auslandschef Arnd Henze. Er führte den Ansehensverlust Deutschlands auf die „innerafghanische Debatte um die zivilen Opfer bei dem Luftangriff auf die beiden Tanklastzüge in Kundus“ Anfang September zurück. Beschrieben vor einem Jahr noch 72 Prozent in den nordöstlichen Provinzen ihre Sicherheitslage als positiv, so sank der Wert inzwischen auf 43 Prozent.

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Obwohl die Afghanen in vielen Einzelbereichen, insbesondere bei der medizinischen Versorgung (52 Prozent) und beim Zugang zu sauberem Wasser (64 Prozent), mit der Entwicklung unzufrieden sind, blicken sie der Umfrage zufolge mit kräftigem Optimismus in die Zukunft. 70 Prozent der Afghanen sehen ihr Land auf dem richtigen Weg, wie die Umfrage ergab. 61 Prozent glauben, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Trotz weit verbreiteter Kritik an den Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen August sind drei Viertel der Befragten mit der Wiederwahl von Präsident Hamid Karsai zufrieden. Ebenso groß ist der Anteil der Afghanen, die eine starke Präsenz ausländischer Hilfsorganisationen am Hindukusch wünschen.

Der Plan von US-Präsident Barack Obama, die Truppenpräsenz befristet aufzustocken, wird von rund 60 Prozent der Befragten unterstützt. Kaum noch Rückhalt gibt es für die vor allem von den radikalislamischen Taliban verübten Anschläge auf ausländische Soldaten. Hielt noch vor einem Jahr jeder Vierte solche Anschläge für gerechtfertigt, so sank der Wert in der aktuellen Umfrage auf acht Prozent. „Die Afghanen sind der Gewalt in ihrem Lande überdrüssig“, sagte Henze. Sie seien „entschlossen, den Kreislauf von Gewalt und Vergeltung für zivile Opfer zu durchbrechen.“ Die Umfragewerte wurden bei ausführlichen Interviews mit fast einhundert Fragen durch das Afghan Center for Socio-Economic and Opinion Research (ACSOR) in Kabul ermittelt.

afp