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Deutschland / Welt Die Affäre um die „Arctic Sea“ wird immer grotesker
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21:52 28.08.2009
Die Crew der „Arctic Sea“. Quelle: afp
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Die Affäre um die „Arctic Sea“ klingt auch so, als hätte sie Gogol erdacht. Ein maltesischer Holzfrachter mit russischer Besatzung wird Ende Juli auf dem Weg von Finnland nach Algerien erst in der Ostsee von Unbekannten gekapert, verschwindet, obwohl ihn ganz Europa sucht, taucht mal in San Sebastian, mal in der Biskaya auf, verschwindet wieder. Eine Lösegeldforderung von 1,5 Millionen Dollar geht ein, aber als ein russischer U-Boot-Jäger die „Arctic Sea“ vor Westafrika stellt, ergeben sich die mutmaßlichen Seeräuber lammfromm.

Auch die Geschichte der „Arctic Sea“ strotzt vor absurden Widersprüchen. Erst schickte der russische Präsident Dmitrij Medwedew persönlich Kriegsmarine, U-Boote und Luftwaffe aus, um die russische Besatzung zu retten. Aber elf Tage, nachdem die Staatsmacht die 15 Seeleute befreit hat, hält sie sie selbst weiter fest. Auch Nato und EU tun geheimnisvoll.

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Russische und westliche Medien spekulieren um die Wette. Laut „Financial Times Deutschland“ liegt die „Arctic Sea“ tiefer im Wasser, als ihre Holzladung erklären würde. Ein Indiz für die Lieblingsversion der russischen Oppositionspresse, die „Arctic Sea“ habe tatsächlich schwere russische Waffen für den Iran oder die Hamas an Bord. Geladen bei Reparaturarbeiten in Kaliningrad und dann in Finnland durch die Holzfracht getarnt.

Die festgenommenen Piraten, zum großen Teil ethnische Russen, behaupten, sie seien friedliche Ökologen, die in Seenot von der „Arctic Sea“ gerettet worden seien, aber bis Cap Verde mitfahren mussten, weil der Kapitän sie in keinem Hafen Europas an Land setzen wollte.

Das offizielle Russland windet sich ebenfalls. Gestern erklärte ein anonymer Marineoffizier, es sei durchaus möglich, dass eine russisch-baltische Rüstungsmafia auf dem Frachter X-55-Raketen versteckt habe, natürlich hinter dem Rücken des Staates. „Unsere Geheimdienste operieren so tölpelhaft nicht.“ Gogols „Nase“ endet glücklich. Die Affäre „Arctic Sea“ aber scheint nicht enden zu wollen. Offenbar grübelt die russische Staatsmacht, wie sie aus dieser Groteske herauskommt, ohne die Nase oder das ganze Gesicht zu verlieren.

von Stefan Scholl

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